August 2000
Offene Sportwagen haben bei Opel Tradition
Roadster-Feeling

Zweisitzer aus verschiedenen Automobilepochen: Speedster, Aero GT und Moonlight Roadster
Rüsselsheim. Mit dem Speedster kehrt Opel in die kleine, aber feine Marktnische der offenen, puristischen und zweisitzigen Sportwagen zurück, die das Unternehmen in seiner gut hundertjährigen Tradition bereits mehrfach bereichert hat. Die Ent-wicklungsgeschichte dieser Fahrzeuggattung verdeutlichen neben dem Speedster zwei Modelle, die zu den faszinierendsten Automobilen der Opel-Modellhistorie gehören: Der "Moonlight-Roadster" demonstriert das geschwungene, leicht ausladende Fahrzeug-styling der dreißiger Jahre, die offene "Aero"-Version des legendären Opel GT wiederum gibt perfekt das ausdrucksstark-dynamische Sportwagendesign der Sechziger und Siebziger wieder.
Der Moonlight-Roadster basiert auf der erfolgreichen 1,8 Liter-Modellfamilie, die in den dreißiger Jahren reißenden Absatz findet. Die formvollendete Roadster-Karosserie fertigt 1933 der in Köln ansässige, renommierte Karosseriebauer Deutsch in Kleinserie. Seinen Spitznamen verdankt der niedrige Zweisitzer einer speziellen Fahrzeuggattung, die in Nordamerika zur Zeit der Prohibition eine ganz besondere Rolle spielte. Alkohol-schmuggler bauten sich für ihre Besorgungsfahrten sprintstarke und extrem niedrige Roadster, die nachts mit Vollgas unter den für Lastwagen konzipierten Zollschranken durchschlüpfen konnten.
Stilistisch ist der elegante Zweisitzer ein typischer Vertreter seiner Zeit: Steil im Fahrtwind stehender Chrom-Kühlergrill, geschwungene Kotflügel, eine gepfeilte Windschutzscheibe, und – als besonderer Clou – das sanft abfallende Heck mit einer zentralen Heckflosse. Die zweifarbige Lackierung mit abgesetzten "Zierstreifen" in Höhe der Gürtellinie ist ebenfalls ein sehr beliebtes Stilmittel der dreißiger Jahre. Das Knallrot der Speichenräder und der Lederausstattung dürfte jedoch sehr extravagant gewesen sein. Exklusivität war dem Käufer eines Moonlight Roadster jedenfalls sicher. Während der zweijährigen Bauzeit entstehen nur 51 Exemplare des 3.895 Reichsmark teuren Modells.
Der zweite Hauptdarsteller in Sachen Roadster-Feeling ist ein typisches Kind der sechziger Jahre. Der Zweisitzer mit Namen Aero GT erscheint 1969 und basiert weitgehend auf dem legendären Opel GT. Die Heckpartie ist neu gestaltet, wobei die hinteren Seitenfenster entfallen. Ein stabiler Targabügel mit modischen, seitlichen Kiemen rahmt den Aero GT ein. Die senkrecht stehende Heckscheibe, elektrisch versenkbar, bildet den Abschluss des Innenraums, seitliche Streben führen die Seitenlinie wie beim Serienbruder bis zum Heck fort. Die Karosserie, im Bodenbereich verstärkt und so gegenüber dem Coupé deutlich schwerer, wird vom italienischen Karosseriespezialisten Fissore gebaut und erstrahlt in sattem Orange. Das gezeigte Modell ist die zweite Aero GT-Fassung und entspringt einer Forderung der amerikanischen Vertriebstochter, die ein weiteres Fahrzeug dringend für Ausstellungszwecke benötigt. Wiederum steht ein italienischer Karosseriebaubetrieb bereit, der renommierte Blechschneider Michelotti baut den Aero Nr.2. Markantestes Unterscheidungsmerkmal der technisch identischen Zwillinge: Der jüngere erstrahlt in dezentem Blaumetallic und wirkt wesentlich eleganter als sein älterer Bruder, der zudem sein Serienschuhwerk gegen voluminöse Breitreifen auf verchromten Tiefbettfelgen eintauschen musste.
Die aktuelle Interpretation des Roadster-Themas heißt Opel Speedster. Der Sportwagen ist das erste Mittelmotor-Auto der Marke und eher für jene Klientel gedacht, die für maximale Fahrfreude gerne auf die komfortsteigernden Insignien heutiger Automobile verzichten. Er sprintet in rund 6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h. Seine beeindruckenden Fahrleistungen erreicht er durch das Zusammenspiel von intelligentem Leichtbau und einem hoch effizienten Antrieb. Der neue 2.2 16V-ECOTEC-Aluminiummotor mit vier Zylindern leistet 108 kW/147 PS, begnügt sich nach MVEG mit 8,2 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer und erfüllt die strenge Euro 4-Abgasnorm. Neben den guten Sprintqualitäten überzeugt vor allem die überragende Agilität auf kurvenreichen Straßen. Kein Wunder, stand doch bei der Entwicklung des 870 Kilogramm leichten Roadsters vor allem die Fahrdynamik im Vordergrund. Der tiefe Schwerpunkt, die in Fahrzeugmitte konzentrierte Masse, eine direkt dem Rennsport entliehene Radaufhängung mit doppelten Dreiecksquerlenkern rundum, die Bremsanlage mir vier innenbelüfteten Scheibenbremsen und seine direkte Lenkung ohne Servo-Unterstützung machen ihn zum Kurvengänger par exellence. Die Optik des Zweisitzers interpretiert mit spannungsreichen Flächen, akzentuierten Radhäusern, einer schmalen Taille und steil abfallenden Flanken den "Coke Bottle Shape" der sechziger Jahre in beeindruckender Weise völlig neu. Ebenso beeindruckend wie das Äußere zeigt sich der Innenraum des knapp geschnittenen Zweisitzers. Hier dominiert der Werkstoff Aluminium, der Fahrer und Beifahrer in ihren Sportsitzen umgibt. Seitenschweller, Mittelkonsole, Armaturenbrett und der Fußraum mit verstellbaren Leichtmetall-Stützen aus gebürstetem Aluminium verleihen dem Cockpit die Faszination einer modernen Skulptur. Dieses minimalistische Konzept wurde jedoch nicht zu Lasten der passiven Sicherheit durchgesetzt. Die Passagiere werden von einem formstabilen Aluminiumchassis umgeben, eine der Formel 1 entliehene Crashbox aus einer patentierten, verstärkten Kunststoffstruktur baut im Fall der Fälle gezielt Aufprallenergie ab. Ergänzt wird dieses Rundum-Schutzsystem durch Fahrerairbag und pyrotechnische Gurtstraffer.