Ein Name wird Markenzeichen - 75 Jahre Opel Blitz

28. November 2005  

Ein Name wird Markenzeichen - 75 Jahre Opel Blitz




Nutzfahrzeuge mit Blitz blicken auf eine große Tradition zurück
  

Rüsselsheim.  Vor 75 Jahren legte Opel mit dem „Blitz“-Leichtlastwagen den Grundstein für eine lange Reihe erfolgreicher Nutzfahrzeuge. Zugleich entstand aus dem Modellnamen das Zeichen, das bis heute die Marke Opel prägt: Während die heutigen leichten Nutzfahrzeuge internationale Namen wie Movano und Vivaro tragen, ziert ihre Kühler zugleich der chromglänzende Opel-Blitz. Obwohl sich heute gegenüber 1930 die PS-Zahlen mehr als verdoppelt haben, Komfort, Sicherheit und Bremsleistung auf PKW-Niveau liegen, bleibt die Aufgabe unverändert, nämlich Lasten zu transportieren. Dabei schultert ein Movano bis zu 1,7 Tonnen, der Urahn Opel Blitz von 1930 trat mit einer Nutzlast von 1,5 bis zwei Tonnen an. Bis zum Ende der „Blitz“-Baureihe im Jahr 1975 wurden 442.312 Lastwagen in den Werken Brandenburg und Rüsselsheim gebaut.
 

Aller Laster Anfang
 

Die Ursprünge des Nutzfahrzeugbaus beim Automobilpionier Opel liegen noch weiter zurück. Bereits 1899 fertigt das Unternehmen auf Basis des 3,5 PS starken Patentmotor-wagens „System Lutzmann“ den ersten Lieferwagen. Der „Coloss von Motorkraftwagen“, wie ihn die örtliche Presse beschreibt, mit Gepäckkastenaufbau ist der erste Lieferwagen seiner Art und Vorbild für weitere Nutzfahrzeuge aus Rüsselsheim. Mit dem Ersten Weltkrieg halten vom Militär vorgegebene,  firmenübergreifende Normen für den Bau von „Regel-Lastwagen“ bis zu vier Tonnen Einzug. In dieser Zeit avanciert Opel zum größten Pkw- und Lkw-Produzenten Deutschlands. In den 20er Jahren entsteht eine neue Nutzfahrzeug-Palette aus kleineren Leichtlastwagen mit einer Zuladung von ein bis zwei Tonnen. 
 

1930 präsentiert das Unternehmen eine weitere Generation von modern konzipierten Nutzfahrzeugen, für die eine einprägsame Modellbezeichnung mit fünf Buchstaben gefunden werden soll. Der Name für das neue Produkt wird unter den Mitarbeitern per Preisausschreiben gesucht. „Ein Opel ist zu gewinnen! Wir suchen einen Namen, den wir in der ganzen Welt berühmt machen wollen! Der neue Lastwagen soll seinen Siegeszug durch Deutschland und über Deutschlands Grenzen hinaus unter einem Namen antreten, der ihn als deutsches Fabrikat kennzeichnet und gleichzeitig Ausdruck seiner überlegenen Qualität ist“, ruft Geheimrat Dr. Wilhelm von Opel die Mitarbeiter auf. Einsendeschluss ist der 6. Oktober 1930, der Hauptgewinn besteht aus einer 4/20 PS-Limousine, vier Opel Motoclub-Motorräder sind die Preise zwei bis fünf. Die Wahl fällt auf „Blitz“ – eine Bezeichnung, die bereits 1890 für Fahrräder aus den Opel-Werken Verwendung gefunden hatte und zum Synonym für die nächsten 45 Jahre Nutzfahrzeugbau der Adam Opel AG werden wird. 
 

Variabilität steht schon bei der Präsentation im November 1930 im Vordergrund: zwei Grundmodelle mit einer Nutzlast von 1,5 bis zwei Tonnen, drei unterschiedliche Radstände sowie zwei Motoren erfüllen die individuellen Wünsche der Kundschaft. Der 2,6-Liter-Vierzylindermotor aus eigener Produktion leistet 40 PS, der 3,6-Liter-„Maquette“-Sechszylindermotor, ein Triebwerk der GM-Tochter Buick, verfügt über 55 PS. Der Erfolg der „Blitz“-Lastwagen ist so groß, dass das Unternehmen fünf Jahre nach Aufnahme der Fertigung 1935 eigens ein Werk für die Nutzfahrzeug-Produktion baut.
 

Aufbau Ost
 

Am Stammsitz in Rüsselsheim sind alle Kapazitäten ausgelastet, Opel expandiert im Osten. In Brandenburg an der Havel wird eine neue Fertigungsstätte in modernster Industrie-Architektur errichtet, 850.000 Quadratmeter groß und ausschließlich dem Lastwagenbau vorbehalten. Am 7. April 1935 erfolgt der erste Spatenstich. 1200 Mann arbeiten in drei Schichten und verbauen in Rekordzeit 1,5 Millionen Backsteine, vier Millionen Kilogramm Stahl, 15.000 Sack Zement und 17.500 Quadratmeter Glas.
 

Am 10. August wird Richtfest gefeiert und am 18. Oktober 1935 – 190 Tage nach Grundsteinlegung – rollt der erste „Blitz“-Lastwagen vom Band. Als erstes Opel-Werk ist Brandenburg auf 100prozentige Fließbandproduktion ausgerichtet, die Kapazität beider Werke liegt bei 25.000 Blitz-Einheiten pro Jahr. Im gleichen Jahr stellt Opel einen Rekord auf: mit 102.293 gebauten Fahrzeugen überschreitet das Unternehmen als erster deutscher Hersteller die 100.000-Marke, der Marktanteil in Deutschland beträgt
40 Prozent. Im Jahr darauf ist die Adam Opel AG sogar der größte Fahrzeug-Hersteller Europas. Daran hat die Nutzfahrzeug-Produktion einen großen Anteil: 1936 werden 21.756 Fahrzeuge in den Werken Brandenburg und Rüsselsheim gefertigt. 

Im Juli 1937 verlässt in Brandenburg bereits der 25.000ste Blitz-Schnelllastwagen die Montagelinie. Im gleichen Jahr erneuert Opel das Motoren-Programm mit Triebwerken aus der Pkw-Produktion. Der Dreitonner Blitz erhält den modernen 3,6-Liter-Sechszylinder des Oberklassenmodells Opel Admiral, der hängende Ventile und eine von Stirnrädern angetriebene Nockenwelle besitzt. 75 PS leistet der Reihenmotor im Opel Blitz, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h schneller als mancher Personenwagen ist. Im
80 km/h schnellen Eintonner kommt der 1,5-Liter-ohv-Vierzylinder des Opel Olympia mit 37 PS zum Einsatz. Solide, zuverlässig, langlebig – der Blitz verfügt über sprichwörtliche Opel-Tugenden. Die machen ihn auch für die militärische Nutzung im Zweiten Weltkrieg interessant. 

1945, zehn Jahre nach der Einweihung des neuen Werks, kommt die Blitz-Fertigung in Brandenburg zum Erliegen. Die Bausubstanz ist nach Angriffen alliierter Bomber zerstört, die verbliebenen Produktionsanlagen werden demontiert und gehen als Reparationsleistungen in die Sowjetunion. Ebenso ergeht es den Kadett-Linien in Rüsselsheim. Während der Kadett anschließend als „Moskwitsch“ in Moskau vom Band läuft, werden die Blitz-Anlagen dort jedoch nie wieder montiert.
 

Neubeginn West
 

Mit dem Blitz beginnt im Rüsselsheimer Stammwerk der Neubeginn: der erste Nachkriegs-Opel ist ein Blitz-Lastkraftwagen 1,5 to. „Am Montag, den 15. Juli 1946 fand im Rahmen einer schlichten Feierstunde der Ablauf des ersten wieder serienmäßigen hergestellte Opel Blitz 1,5 Tonner Sechszylinder 2,5 Ltr. Schnelllastwagens statt, der das Signal zur Wiederaufnahme der Serienerzeugung von Kraftfahrzeugen bei der Adam Opel AG gegeben hat“, lautet die Meldung.
 
6.600 Mark kostet der von einem Wiesbadener Unternehmer bestellte Blitz. Gegenüber der früheren Ausführung ist das zulässige Gesamtgewicht um 200 auf 3400 Kilogramm erhöht worden, die Nutzlast steigt somit auf 1.725 Kilo. Die hölzerne Pritsche ohne Plane, das Ganzstahl-Fahrerhaus, das Fahrwerk mit Blattfedern und Zwillingsbereifung an der Hinterachse entsprechen dem Vorkriegsstandard. Unter der langgestreckten Haube arbeitet der aus dem Kapitän bekannte ohv-Sechszylindermotor, der nun 55 PS leistet. 839 Blitz-Schnelllastwagen werden noch 1946 produziert. 

Wagen für das Wirtschaftswunder
 

1952 erhält der Opel Blitz ein neues Gesicht und eine neue Technik. Deutlich moderner gezeichnet, mit gerundetem Kühler und bauchigen Kotflügeln, entspricht der 1,75-Tonner der runden, vom US-amerikanischen Fahrzeug-Design beeinflussten Formensprache der 50er Jahre. Der 2,5-Liter-Sechszylinder leistet inzwischen 58 PS, der betont leise laufende Limousinen-Motor beschert dem Blitz eine Sonderstellung auf einem von rauen Lkw-Triebwerken bestimmten Markt. Der Clou des neuen Opel Blitz von 1955 ist die gestiegene Ladekapazität: mit 2 Tonnen Nutzlast kann er mehr zuladen als er wiegt. Der Blitz verfügt noch immer über einen tadellosen Ruf, Spezialfirmen liefern Busaufbauten, Möbelkoffer, Feuerwehren und Kommunal-Fahrzeuge auf Basis des wahlweise 3300 oder 3750 mm langen Fahrgestells. Rund 20.000 Exemplare, Rahmen eingerechnet, verlassen pro Jahr das Rüsselsheimer Werk, 89.767 „Rundschnauzer“-Einheiten sind es bis zum Modellwechsel 1960.
 

1959 debütiert auf der IAA in Frankfurt eine neue Blitz-Generation mit eckiger gezeichnetem Kastenwagen, schräg abfallender Schnauze und einer Vielzahl Aufbau-Varianten. Teile der Produktion werden ausgelagert. Den Kabinenbau samt Inneneinrichtung und Verkabelung übernimmt der Karosseriebauer Voll in Würzburg. In Rüsselsheim erfolgt die Verbindung mit Fahrgestell und Antriebsstrang. Das offiziell „Blitz 1,9-Tonnen“ genannte Modell besitzt noch immer einen Sechszylinder-Benzinmotor, jetzt mit 70 PS. 
 

1965 zeigt sich der Blitz-Lastwagen mit repräsentativer „Halbschnauzer“-Kabine deutlich modernisiert. Ein 70 PS starker Vierzylindermotor kommt zum Angebot hinzu. Der
1,9-Liter-Benziner besitzt eine seitlich im Kopf liegende, per Duplex-Kette angetriebene Nockenwelle (camshaft-in-head) und entstammt der neuen Motorengeneration, die 1965 im Opel Rekord B debütiert. Im 2,1- und 2,4-Tonner arbeitet seit 1966 wieder ein neuer Reihensechszylinder, welcher den Blitz-Lastwagen auf 110 km/h beschleunigt.  Die auf 80 PS gedrosselte 2,5-Liter-Maschine stiftet erneut die gehobene Klasse – mit 115 PS treibt sie den neuen Opel Commodore an. Ende der 60er Jahre gehört der Opel Blitz noch immer zu den beliebtesten Leichtlastwagen auf dem deutschen Markt, fast jeder zweite Lkw mit Benzinmotor bis zu 3 Tonnen Nutzlast kommt von Opel. 1969 macht das Unternehmen einen wichtigen Schritt und stellt den Benzinern einen Selbstzünder zur Seite. 60 PS stark ist das 2,1 Liter-Diesel-„Indenor“-Aggregat der französischen Firma „Industrie Nord Est“. 

Es bleibt die letzte Neuerung auf einem Geschäftsfeld, das aufgrund der immer weiter wachsenden Pkw-Produktion von Opel an Bedeutung verliert. Zwischen 1965 und 1975 werden insgesamt 47.368 Fahrzeuge mit Vergaser- und 7.374 mit Dieselmotor gebaut. Am 10. Januar 1975 endet die Produktion: Nach 442.312 in Rüsselsheim und Brandenburg gefertigten Blitz-Lastwagen wird jene Baureihe eingestellt, deren Bezeichnung zum Markenzeichen wurde. Der „Bedford“-Lieferwagen der englischen Konzernschwester Vauxhall, seit 1973 als Alternative im Programm und nun Bedford „Blitz“ getauft, bleibt bis 1987 das einzig verfügbare Nutzfahrzeug. Zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens und der großen Lastwagen-Historie im Jahr 1999 lebt die „Blitz“-Idee wieder auf: mit den Modellen Arena und Movano startet Opel einen Neubeginn in der Nutzfahrzeug-Produktion. Heute stehen sowohl Movano als auch der Vivaro, als Nachfolger des Arena, in der großen Tradition des Opel Blitz.

Das erste Volksauto

15. November 2005  

Das erste Volksauto




Vor 70 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Opel P4
 

Rüsselsheim.  Vier Sitzplätze, 23 PS und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit für 1650 Reichs­mark – macht in der Summe ein Auto für Alle. Vor 70 Jahren, im November 1935, stellt die Adam Opel AG den P4 vor. Ein kompaktes, vollständiges Fahrzeug mit bewährter Technik zu einem unschlagbar günstigen Preis. Auslöser für das neue automobile Angebot ist der wachsende Wunsch der Menschen nach motorisierter Mobilität. Die Technik ist so ausgereift, dass der Fahrer nicht mehr über die mechanischen Grundkenntnisse der früheren Automobilisten verfügen muss. Moderne Produktions­prozesse erhöhen die Qualität der Produkte und machen sie gleichzeitig Vielen verfügbar. Der gewachsene Käuferkreis des Mittelstands - der durchschnittliche Monatslohn in Deutschland liegt bei 250 Reichsmark, inzwischen können sich auch Angestellte und Handwerker ein Automobil leisten - verlangt nach einem vollwertigen Fahrzeug. Die Zeit ist reif für das erste Volksauto.
 

Der P4 besitzt einen U-Profilrahmen mit blattgefederten Starrachsen und hydraulischen Stoßdämpfern, Vierrad-Seilzugbremsen und eine aufgesetzte Karosserie in Holz- und Stahlbauweise. Diese Art des Karosseriebaus folgt klassischen Vorbildern: Karosserie­bleche aus Stahl werden auf einem tragenden Holzgerüst befestigt. Weil zu dieser Zeit noch kein Verfahren besteht, um große Bleche in einem Stück zu pressen, besteht das Dachmittelteil der Limousine aus einem fest installierten Kunststoffverdeck. Der wassergekühlte 1.1 Liter-Vierzylindermotor leistet 23 PS bei 3400 U/min. Bei einem Leergewicht von nur 755 Kilogramm reicht das für eine Höchstgeschwindigkeit von
85 km/h.  

„Er kostet wenig. Er verbraucht wenig.“


Der P4 ist kompakt und komplett ausgestattet. Auf 3,34 Metern Länge bietet er Platz für vier Passagiere, die vorderen Sitze sind verschiebbar und können per Flügelmuttern fixiert werden. Zwei große Instrumente mit Tachometer, Benzinuhr und Ölmanometer im Armaturenbrett sind ebenso serienmäßig wie Scheibenwischer und Innenspiegel. Die bewährte Grundlage ermöglicht günstige Preise: Der P4 basiert auf der erfolgreichen Opel 1,2 Liter-Baureihe. 1650 Reichsmark kostet das Standardmodell, 1890 RM schlagen für einen Kleinlieferwagen auf P4-Basis zu Buche. Für 1880 RM stehen die Cabrio-Limousine oder die höherwertig ausgestattete Spezial-Variante zur Wahl. 

Die Spezial-Limousine ist sofort am Ersatzrad auf dem rechten Kotflügel zu erkennen. Anstelle des am Heck angebrachten Rads sitzt dort eine ausklappbare Kofferbrücke, die das Gepäck aufnimmt. Außerdem verfügt die luxuriösere Ausführung des P4 über Stoßstangen, linierte Radzierkappen sowie im Innenraum über Kartentaschen in den Türverkleidungen und eine Gardine im Heckfenster. Ebenfalls im Aufpreis von
230 Reichsmark im Vergleich zum Standardmodell eingeschlossen: ein Vierganggetriebe.  

1935 wird für Opel zu einem Rekordjahr - mit 102.293 gebauten Fahrzeugen überschreitet das Unternehmen als erster deutscher Hersteller die Produktionsmarke von 100.000 Fahr­zeugen und wird größter europäischer Automobilhersteller. Der P4 verkauft sich in so großen Stückzahlen, dass Opel zum Ende des Jahres 1936 den Preis sogar um 200 Reichs­mark auf 1450 RM senken und den Kunden damit zum 75-jährigen Firmenjubiläum ein Geschenk machen kann. Bis zum Ende der Produktion 1937 verlassen insgesamt 65.864 Modelle des P4 die Rüsselsheimer Werkshallen.

Älteste Opel erreichen beim London to Brighton Veteran Car Run das Ziel

8. November 2005
Älteste Opel erreichen beim London to Brighton Veteran Car Run das Ziel 



Brighton.  Bei der diesjährigen Ausgabe des Oldie-Marathons von London nach Brighton gab es für die Marke Opel einen sensationellen Triumph. Alle drei gestarteten Oldtimer kamen nach einer mehrstündigen Regenfahrt ins Ziel. Mit am Start auch GM Europa-Präsident Carl-Peter Forster, der mit einem Opel Darracq aus dem Jahre 1902 die Strecke in Angriff genommen hatte. „Das ist schon ein großartiges Abenteuer“, sagte Carl-Peter Forster und fügte glücklich hinzu: „Jetzt ist uns wieder einmal bewusst geworden, was für gewaltige Fortschritte die Technik des Automobils in den letzten 100 Jahren gemacht hat und es war eine Freude zu erleben, wie begeistert die Menschen am Straßenrand unsere Autos begrüßt haben.“ Der GM Europa-Präsident fuhr mit einem einzylindrigen Opel Darracq, einem neun PS starken Auto, das allerdings noch in vielen optischen Details die Verwandtschaft zur Kutsche nicht verleugnen kann. Noch mehr an die Pferdewagen erinnerten die beiden Opel Patentmotorwagen System Lutzmann von 1899 und 1900, die das 89 Kilometer entfernte Ziel ebenfalls tapfer erreichten. 
 

Der London to Brighton Veteran Car Run geht in seiner Skurrilität auf eine Feier aus dem Jahre 1896 zurück, als in England der Erlass fiel, dass vor jedem fahrenden Motorfahrzeug ein Wächter mit einer roten Flagge laufen musste – und gleichzeitig die Höchstgeschwindigkeit von vier auf 14 mph erhöht wurde. Seitdem treffen sich jedes Jahr rund 500 Besitzer dieser Oldtimer bis Jahrgang 1904 und feiern die Befreiung vom überwachten Autofahren.

Opel ehrt ersten Betriebsratsvorsitzenden mit eigener Straße

4. November 2005
Opel ehrt ersten Betriebsratsvorsitzenden mit eigener Straße



Friedrich-Zängerle-Straße auf dem Werksgelände in Rüsselsheim eingeweiht
 Rüsselsheim.  Erst vor wenigen Wochen feierte die Mitbestimmung bei Opel ihr 60-jähriges Bestehen, jetzt ehrte die Adam Opel AG die Verdienste ihres ersten Betriebsratsvorsitzen­den Friedrich Zängerle. Auf dem Werksgelände in Rüsselsheim weihten Unternehmens­leitung und Betriebsrat heute die Friedrich-Zängerle-Straße ein. In seiner Ansprache würdigte Norbert Küpper, Arbeitsdirektor der Adam Opel AG, die Verdienste Zängerles: „Nach den Jahren der Nazidiktatur mit einer Pseudo-Arbeitnehmervertretung markierte die Bildung eines unabhängigen Betriebsrats die Wende hin zu offener Kommunikation und betrieblicher Mitbestimmung. Friedrich Zängerle hat sich für Unternehmen, Mitarbei­ter und Gesellschaft vorbildlich eingesetzt.“ Der erste Opel-Betriebsrat wurde wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf Anordnung der damaligen US-Militärregierung im Opel Stammwerk eingesetzt und Friedrich Zängerle zum Vorsitzenden gewählt. Zängerle trug nicht nur wesentlich zum Aufbau der Adam Opel AG nach dem Krieg bei, er wirkte auch bei der Ausarbeitung der Verfassung in Bonn mit. Der derzeitige Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz ging in seiner Laudatio insbesondere auf die Rolle Zängerles beim Aufbau der Gewerkschaften und des Opel-Betriebsrates ein und wies auf die Vorbildfunktion hin: „Friedrich Zängerle stellte sich auch unbequemen Themen und packte die Probleme an, von denen es nach dem Krieg gewiss eine Reihe gab. Er hatte stets vor allem das Wohl der Arbeiter an der Linie im Sinn und immer ein offenes Ohr für deren Sorgen. Daran muss sich der Betriebsrat heute messen lassen.“


Friedrich Zängerle (1911 bis 1996) arbeitete von 1936 bis zu seiner Pensionierung 1974 bei Opel in Rüsselsheim in verschiedenen Bereichen der Werkzeugmacherei und später als freigestelltes Betriebsratsmitglied. Er ist der erste Opel-Mitarbeiter überhaupt, dem eine eigene Straße auf dem Werksgelände gewidmet wird. Dies war bisher den Mitgliedern der Familie Opel vorbehalten.

35 Jahre Opel Manta A und Ascona A

19. Oktober 2005

35 Jahre Opel Manta A und Ascona A

 



Opel entwickelt zwei neue Nischenfahrzeuge zu Erfolgsmodellen


Rüsselsheim.  Schon vor 35 Jahren begann Opel seine Modellpalette weiter aufzufächern. Dieses Erfolgsrezept, aus anfänglichen Nischenprodukten erfolgreiche Volumenmodelle zu entwickeln, nutzt Opel bis heute mit Modellen wie Zafira oder Meriva. Bereits in der ersten Hälfte der siebziger Jahre zeigten Manta A und Ascona A, dass diese Strategie aufgeht: Sie wurden zusammen fast 1,2 Millionen Mal verkauft. Beide haben die gleiche Basis, der Manta als dynamisches Sportcoupé, der Ascona als komfortables Familienauto mit kom­pakten Außenmaßen.

Manta - Fisch sucht Fahrer 

Es ist „Der Tag, an dem der Manta kommt“. Die Nähe zum Wasser ist gut gewählt: Das sportliche Coupé, dessen Flügelrochen-Emblem nach Fotos des Meeresforschers Jacques Costeau entworfen wurde, wird am 25. September 1970 im Hotel Maritim, Timmendorfer  Strand präsentiert. „Das Auto, das wir Ihnen heute vorstellen, stempelt kein anderes Modell zum alten Eisen, sondern gesellt sich zu unserem bisherigen Programm als wir­kungsvolle Ergänzung und zur Deckung eines neu entstandenen Bedarfs“, heißt es im Pressetext. „Das Pendel schlug mal ein bißchen mehr hin zum herkömmlichen Coupé, ein andermal ein bißchen zur Limousine. Wir glauben, daß es sich jetzt beim Manta in den richtigen Relationen eingependelt hat.“ Vorbild sind die populären „Pony Cars“ aus den USA: Ebenso formschöne wie familientaugliche Coupés auf Basis der Großserie. Der Manta baut mit einer völlig eigenständigen Karosserieform auf dem neuen Ascona auf, auch wenn dieser erst einen Monat später, im Oktober 1970, präsentiert wird.
 Damit entspricht er den Erfordernissen des Marktes. Ende der 60er Jahre finden immer mehr junge und jung gebliebene Autokäufer Gefallen an attraktiven Coupés. Individua­lismus ist gefragt, die formal eigenständige Linie des Manta kommt diesem Wunsch entgegen. Schon im ersten Verkaufsjahr 1970 setzt Opel von dem in Bochum und Antwerpen gefertigten Fahrzeug 55.393 Einheiten ab.   Bodengruppe und das für eine dynamische Gangart modifizierte Fahrwerk teilt sich der Manta mit dem Ascona, Modellpflegemaßnahmen und technische Neuerungen kommen beiden Fahrzeugen zugute. Basis ist wie beim Ascona der 1,6-Liter-Motor mit 68 PS. Darüber hinaus werden für das sportliche Manta „SR“-Modell ein 1,6-Liter-S-Motor mit
80 PS und der aus dem Rekord stammende 1,9-Liter-S-Motor mit 90 PS angeboten.

Vielfalt – ein Auto für Alle 

Den günstigsten Einstieg in die Manta-Baureihe markiert ab 1972 die 1,2-Liter-Version mit 60 PS, im November des gleichen Jahres ergänzt mit dem Manta „Berlinetta“ eine beson­ders reichhaltig ausgestattete Variante das Modell-Programm. Heizbare Heckscheibe, Halogen-Scheinwerfer, elektrische Scheibenwaschanlage, Vinyldach und Metallic-Lackierung gehören beim Berlinetta zum Serienumfang. Zahlreiche Sondermodelle halten in den fünf Jahren Bauzeit das Interesse am Manta wach: „Holiday“, „Plus“, „Swinger“ und „Sommer-Bazar“ kombinieren gehobene Ausstattungsmerkmale mit einem günstigen Preis.
 Das Topmodell der Baureihe, der Manta GT/E, feiert im Herbst 1973 seine Premiere auf der IAA in Frankfurt. Sein Vierzylinder 1,9-Liter-Einspritzmotor mit Bosch LE-Jetronic leistet 105 PS. Damit ausgerüstet, verfügt der GT/E über ein Leistungsplus von 15 PS im Vergleich zum 1,9-Liter-S-Motor bei gleichzeitig um ein bis zwei Liter gesunkenem Benzindurst. Im Stil der Zeit verzichtet der Manta GT/E auf jeden Chromschmuck und spricht besonders sportlich ambitionierte Fahrer an.

Im Frühjahr 1975 erscheint das letzte Sondermodell: Der „Black Magic“ ist ganz in Schwarz lackiert und trägt rot-orange-farbene Zierstreifen auf den Flanken. Bis zur Ablösung durch den Manta B werden 498.553 Einheiten des Coupés gebaut. 

Die neue Mittelklasse

Der Ascona A, das - laut der damaligen Pressemappe - „Auto der technischen Vernunft“, positioniert sich zwischen Kadett und Rekord. Bisher spielte die luxuriöse „Olympia“-Variante des Kadett B diese Rolle, nun kommt mit dem Ascona ein neu konstruiertes Mittelklasse-Fahrzeug auf den Markt, das einen größer werdenden Kundenkreis bedient. Der Ascona verfügt über die Motoren des Manta. Die Caravan-Version „Voyage“ ist der erste Lifestyle-Kombi eines deutschen Herstellers und seiner Zeit weit voraus. Im Vergleich zur Limousine bleibt der „Voyage“ ein Nischenprodukt. Dafür legt die Ascona-Limousine den Grundstein zum Erfolg der heutigen Vectra-Baureihe.
 Der bis Juli 1975 exakt 691.438 mal gebaute Ascona A nutzt viele bewährte Komponenten von Kadett und Rekord. Die Vorderachse besitzt einzeln aufgehängte Räder mit Schrau­benfedern und Teleskopstoßdämpfern, die starre Hinterachse wird von zwei Längslenkern sowie einem Panhardstab geführt. Angeboten wird der Ascona als zwei- und viertürige Limousine in Normal- und Luxus-Ausführung. Der Motor mit 1584 ccm ist vom 1,7-Liter-Vierzylinderaggregat des Rekord abgeleitet. Als Triebwerk steht zuerst nur ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 68 PS und eine höher verdichtete S-Variante mit 80 PS zur Verfügung. Wie die größeren Vierzylinder des Rekord verfügt der Ascona-Motor  über eine seitlich im Zylinderkopf angeordnete Nockenwelle, „camshaft in head“ (cih) genannt. Ab März 1972 wird der 1,2-Liter-S-Motor mit 60 PS aus dem Kadett B auch für den Ascona angeboten, um so ein kostengünstiges Einstiegs-Modell zu schaffen. 

Voyage - Mehr Lust als Last
 

Eine vielbeachtete Neuheit im Modellprogramm ist der neuartige Ascona Voyage. Die zweitürige Kombi-Variante ist kein Transportfahrzeug im klassischen Sinn, sondern ein Freizeit-Mobil, mit Platz für Gummiboot und Fahrrad, ein Wagen für die junge Familie, ein Lifestyle-Caravan. Zeitgenössischer Pressetext: „Die heutige Reisefreudigkeit, die Camping-Bewegung, die Neigung zu sportlichen und oft transportabhängigen Hobbys wie Wassersport, Fischerei, Jagd verlangen nach einem Personenwagen mit großzügigen Raumverhältnissen und Transportkapazitäten. In Komfort und Wohnlichkeit darf aber der Personenwagen-Charakter keinesfalls getrübt werden. Den nach diesen Vorstellungen gebauten Wagen nennen wir Ascona Voyage.“ Mit Vinyl-Dach und Folie in „Edelholz­maserung“ an den Flanken kreiert Opel einen an die „Woody“-Wagons der 40er Jahre erinnernden Kombi, der mehr die Lust als die Last betont. Der Ascona Voyage wird nur als L-Version geliefert, erst 1974 wird der Voyage auch in einer weniger luxuriösen Caravan-Version angeboten werden.

SR – Das Zeug zum Sieger
 
Im Frühjahr 1971, zum Genfer Salon, werden der Ascona 1,9 S und der Ascona „SR“ vorgestellt. Motorisiert ist die SR-Variante mit dem 80 PS starken S-Triebwerk oder dem 1,9-Liter-Aggregat mit 90 PS. In Kombination mit den beiden stärkeren Motorisierungen gibt es gegen Aufpreis eine Dreigang-Automatik. Die SR-Ausstattung ist - ein Novum für das Segment der Kombifahrzeuge - auch für den dreitürigen Voyage lieferbar.  Mit der sportlichen Variante der zweitürigen Limousine gehen Walter Röhrl und Jochen Berger 1974 in der Rallye-Europameisterschaft an den Start. Der Ascona des Opel-Euro-Händler-Teams hat einen Vierzylinder-Motor, der nach dem Aufbohren auf zwei Liter Hubraum mit einem Aluminium-Crossflow-Zylinderkopf über 200 PS bei 6700 U/min-1 ab­gibt. Röhrl und Berger siegen bei sechs von acht Läufen und gewinnen überlegen die Rallye-Europameisterschaft und 1975 mit der Rallye Akropolis den ersten Rallye-WM-Lauf für Opel.  Zum Modelljahr 1974 ist es Zeit für ein Facelift, die gesamte Ascona-Baureihe wird aufgewertet. Die neu gestaltete Frontpartie verfügt nun über einen schwarzen Kunst­stoffkühlergrill mit großem Opel-Emblem, der den Wagen breiter und „erwachsener“ erscheinen lässt. Die Belüftung des Innenraums wird wie beim Manta durch größere Düsen verbessert, Sicherheitsgurte gehören nun zum Serienumfang. Eine Änderung zum Modell­jahr 1975 betrifft die Motoren: Neue Abgasbestimmungen erfordern einen bleiärmeren Kraftstoff. Als erster deutscher Hersteller passt Opel seine Motoren der neuen Richtlinie an. Die Leistungsdaten der Triebwerke ändern sich beim 1,6-Liter von bisher 68 PS in
60 PS, beim 1,6-Liter-S von bisher 80 auf 75 PS, und der 1,9-Liter-Motor besitzt statt
90 PS nun 88 PS.

Während Manta und Ascona aus der Opel Modelpalette schon lange verschwunden sind, haben sie sich einen festen Platz in den Herzen der Oldtimerfans erobert. Heute sind laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 937 Manta A und 540 Ascona A auf den deutschen Straßen zugelassen.

Opel zeigt Motorsport-Highlights beim Oldtimer-Grand-Prix

11. August 2005

Opel zeigt Motorsport-Highlights beim Oldtimer-Grand-Prix 



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14 Rennwagen repräsentieren die Opel-Motorsportgeschichte
·       DTM-Pilot Heinz-Harald Frentzen mit am Steuer  

Rüsselsheim/Nürburgring.  Am Wochenende startet auf dem Nürburgring mit dem
33. Oldtimer-Grand-Prix eine dreitägige Zeitreise in die Motorsportgeschichte. Opel ist mit dabei und präsentiert im Fahrerlager 14 historische Rennwagen – vom Grand-Prix-Boliden von 1913 über den Ascona A mit dem Walter Röhrl und Jochen Berger 1974 Rallye-Europameister wurden, bis hin zu Manuel Reuters ITC-Weltmeisterschaftsauto aus dem Jahr 1996 zeigt Opel einen Querschnitt aus fast 100 Jahren Motorsport. „Opel feierte bereits 1901 seinen ersten Sieg bei einem Automobilrennen und engagiert sich seit der ersten Stunde im Motorsport“, erklärt Hans H. Demant, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, der in diesem Jahr bereits am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teilgenommen hat. 

Einer der aus Opel-Sicht zahlreichen Höhepunkte wird am Samstag der Besuch von Heinz-Harald Frentzen sein. Der aktuelle DTM-Werksfahrer pilotiert einen der historischen Opel-Rennwagen bei einer Demonstrationsfahrt mit Fahrzeugen der deutschen Rennsport­geschichte. Besucher des Oldtimer-Grand-Prix können die Faszination des Motorsports hautnah erleben, denn die Eintrittskarten gelten nicht nur für alle geöffneten Tribünen, sondern auch für das Fahrerlager. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre ist der Eintritt in Begleitung eines Erwachsenen frei.

40 Jahre Opel Diplomat V8 Coupé

28. Juli 2005

40 Jahre Opel Diplomat V8 Coupé



 
Das exklusive Flaggschiff für „Reisende von Rang“ - nur 347 Stück wurden gebaut 

Rüsselsheim. Im Sommer 1965 erhält die Oberklasse aus Rüsselsheim eleganten Zuwachs.  Beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück läuft das Diplomat V8 Coupé vom Band, das exklusivste Fahrzeug der Modellpalette. Das 347 mal gebaute Diplomat Coupé basiert auf dem Spitzenmodell der 1964 vorgestellten KAD-Reihe,
Kapitän, Admiral und Diplomat, mit der das Unternehmen Kunden von Luxus-Limousinen noch stärker ins Visier nimmt. Die „Großen Drei“, wie es in der Werbung für die repräsentativen Modelle heißt, folgen in ihrem schnörkellosen und geradlinigen Design den Vorbildern der US-amerikani­schen GM-Mutter. Beim Diplomat stammt auch der Motor aus Amerika: ein V8-Triebwerk mit 4,6 Litern Hubraum und 190 PS beflügelt das Flaggschiff der Baureihe. 

Mit dem Diplomat Coupé krönt Opel im Juli 1965 sein Pkw-Programm.  Leistung und Preis machen es zu einem der Top-Autos in Deutschland, zu einem Wagen für „Reisende von Rang“. Der 5,4-Liter-V8, der auch in der Chevrolet Corvette verbaut wird, bleibt bis zum September 1966 dem Coupé vorbehalten. Der 230 PS starke V8 beschleunigt im Zusam­menspiel mit einer „Powerglide“-Zweigangautomatik und mächtigen 427 Nm Dreh­moment das viersitzige Coupé in unter 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchst­geschwindigkeit liegt bei 206 km/h. Damit ist es zu seiner Zeit eines der schnellsten Auto­mobile auf dem deutschen Markt. 25.500 DM kostet das Diplomat Coupé, während der günstigste Opel Rekord mit 6.980 Mark in der Preisliste steht.
 

Verhaltener Luxus und Eleganz zeichnen das Topmodell aus. Der Zweitürer besitzt hydraulische Lenk- und Bremshilfen, Scheibenbremsen und Nebelscheinwerfer. Im Innenraum dominieren tiefe Teppiche, üppige Polster, Echtholzeinlagen sowie ein Bandtacho, der bis 250 km/h reicht. Elektrische Fensterheber, von innen verstellbare Außenspiegel und Fußraumleuchten im Fond sind exklusive Ausstattungsdetails, auf welche die breite Masse der Autofahrer noch lange wird warten müssen. Nur wenige Exemplare des Coupés sind noch erhalten, eines davon ist im Bestand der historischen Sammlung der Adam Opel AG.

Opel-Feuerwehr lässt Herzen von Oldtimer-Fans höher schlagen

29. Juni 2005

Opel-Feuerwehr lässt Herzen von Oldtimer-Fans höher schlagen




Historische Löschfahrzeuge von Opel sind heute begehrte Liebhabermodelle
 

Rüsselsheim. 
Im Jahr 1911 zerstörte ein heftig wütender Großbrand weite Teile der Rüsselsheimer Fabrikationsanlagen. Damals gründete Opel eine werkseigene Feuerwehr, um solche Katastrophen in Zukunft zu vermeiden oder zumindest die Folgen eines Brandes einzudämmen. Das ist der Feuerwehr in den vergangenen knapp einhundert Jahren gelungen. Gleichzeitig engagierte sich Opel auch erfolgreich beim Bau von Feuer­wehrfahrzeugen. Oldtimer-Freunde schätzen und pflegen diese historischen Fahrzeuge heute als Liebhabermodelle.
 

Zum Zeitpunkt des historischen Großbrands war Opel bereits Hersteller von benzin­getriebenen Motor- und Lastkraftwagen und trat anschließend auch als Fahrgestell­lieferant für Feuerwehrfahrzeuge in Erscheinung. Mit den ersten Modellen setzte Opel neue technische Maßstäbe. So wurden die Feuerwehrfahrzeuge schnell auch für Kunden im In- und Ausland interessant. 
 

Offene Feuerwehrwagen gegen die Verweichlichung der Feuerwehrleute
 

Bis in die zwanziger Jahre gab es die Fahrzeuge nur in einer offenen Version, was bedeu­tete, dass die Mannschaft bei ihren Einsätzen dem Fahrtwind, aber auch Regen, Sturm und Kälte völlig ungeschützt ausgeliefert war. Die Begründung für diese offene Bauweise war schlicht und einfach: Mit der offenen Ausführung der Fahrzeuge sollte einer mög­lichen Verweichlichung der Feuerwehrmänner vorgebeugt werden. Auch gutes Festhalten war damals angesagt, damit die Feuerwehrleute bei Alarmfahrten in den Kurven nicht vom Wagen stürzten – die Sitzbänke waren zu diesen Zeiten noch in Längsrichtung ange­bracht. Der Bau geschlossener Feuerwehrfahrzeuge setzte erst Jahre später ein.
 

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges entstand bei Opel eine beachtliche Stückzahl an Automobilspritzen und Drehleitern, die an verschiedene Feuerwehren geliefert wurden. Die Freiwillige Feuerwehr (FF) Merkstein bei Aachen pflegt zum Beispiel noch heute ein Modell Opel 12/50 PS, das von 1928 bis 1953 im Dienst war, über eine 800-l/min-Vorbaupumpe verfügte und acht Personen sowie die im Heckraum gelagerte Kleinmotorspritze befördern konnte. Ein ähnliches Modell der FF Wiedenthal zeichnet sich durch bereits vorhandene Quersitzbänke bei ansonsten ähnlicher Bauart aus.
 

Finanzielle Nöte machten die Feuerwehren in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erfinderisch: Die FF Nöham in Niederbayern baute sich in Eigenregie aus einem ehe­maligen viersitzigen Opel-Tourenwagen des Typs 10/40 PS, Baujahr 1927, einen respek­tablen, 85 km/h schnellen Feuerwehrwagen, der bis heute als Traditionsfahrzeug erhalten ist.
 

Opel-Feuerwehrfahrzeuge in vielen Variationen
 

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges setzte dann ein nachhaltiger Beschaffungsschub bei den Feuerwehren ein. Für die aus Kosten- und Fertigungsgründen offen ausgeführte Kraftzugspritze KzS 8 wurde ab 1936 das 1-t- beziehungsweise 1,5-t-Opel Blitz-Chassis in großen Stückzahlen verwendet. Die Freiwillige Feuerwehr Wiesbaden hatte beispielsweise noch in den fünfziger Jahren ein Fahrzeug im Einsatz, dessen Mannschaftsraum mit der später üblichen Segeltuchplane geschützt war. Zusammen mit dem einachsigen Kraft­spritzenanhänger wurde das KzS 8-Gespann gebildet, dem Vorläufer des LF 8.
 

Auf dem Opel Blitz-3-t-Chassis wurden hingegen die Kraftfahrzeugspritzen KS 15 gebaut. Beispielsweise ein 1939 von dem Feuerwehrausrüster Koebe in Luckenwalde aufgebautes Fahrzeug, das eine Löschgruppe von bis zu neun Mann befördern konnte und mit einer vom Heck her zugänglichen 800-l/min-Kleinmotorspritze bestückt war.
 

Bahnbrechend waren seinerzeit die Tanklöschfahrzeuge TLF 15/43, die ab 1943 über­wiegend auf dem Opel Blitz-Allradchassis des Typs 6700 A erstellt wurden. Mit einem Löschwasservorrat von 2.500 Litern waren diese Fahrzeuge nicht mehr auf die Nähe von Hydranten angewiesen und leisteten so besonders am Ende des Zweiten Weltkrieges während der Bombenangriffe auf deutsche Städte und Industriebetriebe unschätzbare Dienste bei der Brandbekämpfung.
 

Opel Blitz als unverwüstlicher Allzweck-Lkw
 

Im Jahr 1952 wurde dann ein neuer „Blitz“ entwickelt, der schnell zum Marktführer auf­stieg und auch bei den Feuerwehrleuten sehr beliebt war. Sein lebendiger und im Notfall auch mal überlastbarer Vergasermotor war äußerst robust. Für manche kleinere Feuer­wehr war das LF 8 auf Basis des Opel Blitz 1,75 t damals sogar das erste Motorfahrzeug überhaupt – viele dieser Modelle waren bis weit in die achtziger Jahre hinein noch im Ein­satz.
 

Nachfolger dieses Modells wurden der 1,9-Tonner und die optisch ansprechend wirkenden Typen 2,1 t und 2,4 t, die von 1966 bis zur Einstellung des Lastwagenbaus bei Opel im Jahr 1975 im Programm blieben. Im Jahr 1968 wurde auch ein Dieselmotor ins Angebot genommen, der aber als Antriebsaggregat für Feuerwehrfahrzeuge keine wesentliche Rolle spielen sollte.
 

Heute baut Opel wieder über die Opel Special Vehicles GmbH (OSV) Serienautos zu Spezialfahrzeugen für Polizei oder Feuerwehr um – ein weiterhin expandierender Bereich.

Historische Opel-Fahrzeuge bei Oldtimerfahrt „Hessentag Weilburg“

16. Juni 2005  

Historische Opel-Fahrzeuge bei Oldtimerfahrt „Hessentag Weilburg“



Bundesfinanzminister Hans Eichel im Opel Admiral von 1938  

Rüsselsheim/Weilburg.  Bei der erstmals ausgetragenen Oldtimerfahrt „Hessentag Weilburg“ werden viele Prominente und mehrere historische Opel-Fahrzeuge am Start sein. Am Steuer eines Admiral aus dem Jahr 1938 wird Bundesfinanzminister Hans Eichel zusammen mit dem Präsidenten des ADAC Hessen-Thüringen, Dr. Erhard Oehm, ab
14 Uhr die zweite Etappe bestreiten. Einen weiteren Opel, ein Rekord B Baujahr 1966, fahren der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann und Uwe Berlinghoff, Direktor Regierungskontakte der Adam Opel AG. Das Besondere an diesem Fahrzeug: Letzter Besitzer des Rekord war der frühere Bundestrainer Sepp Herberger. 

Start- und Zielort der Oldtimerfahrt, an der mehr als 70 Automobile und Motorräder teilnehmen, ist Weilburg. Die Route führt über zwei Etappen von 73 und 58 Kilometer Länge mit mehreren Zwischenstopps. Nach dem Start zur ersten Etappe um 9 Uhr machen sich die Fahrer im Minutentakt auf den Weg. Der Startschuss zur zweiten Etappe erfolgt um 14 Uhr. Für die Zuschauer gibt es ein abwechselungsreiches Rahmenprogramm sowie ausreichend Gelegenheit, einen Blick auf die historischen Fahrzeuge zu werfen und mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen.
 

Oldtimer-Treffen an den Opelvillen

9. Juni 2005  

Oldtimer-Treffen an den Opelvillen



5. Klassikertreffen mit rund 800 Oldtimern in Rüsselsheim  

Rüsselsheim.  Am Sonntag, 26. Juni sind die Opelvillen und der Stadtpark erneut Treff­punkt für die Fans historischer Fahrzeuge. Zum fünften Mal lädt die Adam Opel AG ge­meinsam mit der Stadt zum Klassikertreffen. Auto-, Traktor- und Motorradbesitzer prä­sentieren Zwei- und Vierräder aus dem vergangenen Jahrhundert bis zum Baujahr 1979. Mit dabei ist auch der Rüsselsheimer Radfahrverein mit etwa 20 historischen Fahrrädern.
 

Neben den wieder rund 800 erwarteten Oldtimern erleben die Besucher ein abwechs­lungsreiches Rahmenprogramm. Thomas Kolmar spielt mit seiner fünfköpfigen Band „Talk About“ an den Opelvillen Rock-Hits der siebziger und achtziger Jahre. Im Stadtpark tritt der Rüsselsheimer Kulturpreisträger Albrecht Schmidt mit einem Trio seines Salon-Orchesters auf. Aus gastronomischer Sicht bleiben ebenfalls keine Wünsche offen: Cullinaris/Pedus, das Restaurant La Villa, und das „Café an der Festung“ verwöhnen die Besucher ebenso wie erstmals auch das Team des Restaurants Navette aus dem COLUMBIA Hotel.
 

Das Klassikertreffen an den Opelvillen zählt zu den Oldtimer-Highlights im Rhein-Main-Gebiet. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 26. Juni, von 10 bis 16 Uhr statt.
Teilnahme und Eintritt sind selbstverständlich frei.

Design weckt Emotionen

4. Mai 2005  

Design weckt Emotionen



Opel zeigt Studien und Prototypen in einer neuen Ausstellung bei Opel Live 

Rüsselsheim.  Am kommenden Montag wird bei Opel Live eine Sonderausstellung zu Design-Studien und Prototypen eröffnet. Gezeigt werden sechs Fahrzeugentwürfe aus den vergangenen vier Jahrzehnten, die nie in Serie gegangen sind. Einzige Ausnahme ist der GT Experimental, gleichzeitig der erste öffentlich vorgestellte Prototyp von Opel. 1965 präsentierte Opel diese Studie auf der IAA in Frankfurt und sorgte damit für die Attraktion der Messe. Aus dem damals gezeigten Entwurf entstand der erfolgreiche Opel GT, der 1968 auf den Markt kam.
 

Zu den weiteren Highlights der Ausstellung zählt die Studie G100, die bislang noch nie öffentlich gezeigt wurde. 1999 entwickelt, weckt dieser Aluminium-Roadster jede Menge Emotionen und macht deutlich, wie wichtig Studien für die Fahrzeugentwicklung sind. Auch wenn diese Entwürfe nur selten in Serie gehen, findet man charakteristische Elemente bei späteren Serienautos wieder. So ähnelt die Front des neuen Astra der des G100. Und das variable Stahldach des Tigra TwinTop ist ebenfalls eine Weiterentwicklung der Studie. Ein Hingucker ist auch der MAXX von 1995, ein kleiner, wendiger Stadtflitzer mit einem Maximum an Flexibilität. „Wir sind stolz darauf, die ausgewählten Studien erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung einem breiten Publikum zeigen zu können. Viele dieser Konzeptfahrzeuge lieferten neue Denkanstöße für unsere Serienmodelle“, sagt Hans H. Demant, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, über die Ausstellung

Friedrich Lutzmann – ein Pionier des Automobilbaus

23. April 2005
Friedrich Lutzmann – ein Pionier des Automobilbaus


Vor 75 Jahren starb der Konstrukteur des ersten Opel-Automobils

Rüsselsheim.  Vor 75 Jahren starb mit Friedrich Lutzmann einer der Pioniere des Auto­mobilsbaus. Der Konstrukteur aus Dessau legte den Grundstein für die Automobil­produktion bei Opel in Rüsselsheim. Geboren wird Friedrich Lutzmann in Nienburg an der Saale am 5. April 1859. Bereits als 32-Jähriger erhält der im In- und Ausland ausgebildete Kunsthandwerker vom Erbprinzen von Anhalt den Titel „Hofschlossermeister“ verliehen. 1893 beginnt sich Lutzmann für den aufkommenden Automobilbau zu interessieren, am 15. Mai 1894 verlässt der erste Motorwagen eigener Konstruktion die Motorwagen-Fabrik in Dessau. Drei Jahre später, am 30. September 1897, beteiligt sich Friedrich Lutzmann als Mitbegründer des Mitteleuropäischen Motorwagens Vereins neben Carl Benz und Gottlieb Daimler mit zwei Fahrzeugen an der wohl ersten Automobil-Ausstellung Deutschlands, die im Berliner Hotel Bristol, Unter den Linden, stattfindet.
 

In Rüsselsheim wird frühzeitig erkannt, dass die Zukunft dem Automobil gehört. Als sich gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts die wirtschaftliche Lage im Nähmaschinen- und Fahrrad-Geschäft verschlechtert, ergreifen die Söhne des Firmengründers Adam Opel die Chance. Am 21. Januar 1899 erwerben die Opel-Brüder die „Anhaltische Motorwagen­fabrik“ Friedrich Lutzmanns und beginnen mit dem Aufbau einer Automobilproduktion in Rüsselsheim. Als „Direktor des Kraftwagen­baues“ ist Lutzmann direkt der Geschäfts­leitung unterstellt. Das offene Automobil, auf den Namen „Opel Patent Motorwagen System Lutzmann“ getauft, ist noch stark vom Kutschenbau beeinflusst. Der im Heck liegende 1,5 Liter-Einzylindermotor mit offenem Kurbelgehäuse leistet 3,5 PS und beschleunigt das Gefährt auf gut 20 km/h. 65 Exemplare entstehen von diesem Modell, auf dessen Basis auch ein Lastkraftwagen gebaut wird. 
 

1901 gewinnt ein modifizierter Motorwagen das Bergrennen auf den Königstuhl bei Heidelberg. Für die 7,5 Kilometer lange Strecke benötigt das Fahrzeug nur 17 Minuten und 26 Sekunden, was immerhin einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h entspricht – 16 Konkurrenten haben das Nachsehen. 
 

Mit dem Beginn der Opel-Darracq-Fertigung in Rüsselsheim im Jahr 1902 kehrt Lutzmann ins Konstrukteur-Fach zurück. Am 23. April 1930 stirbt Friedrich Lutzmann in Dessau. Mit seinem Tod endet ein bedeutendes Kapitel der Frühzeit im deutschen Automobilbau.

70 Jahre Opel Olympia

20. April 2005

70 Jahre Opel Olympia




Opel baute das erste deutsche Großserienauto mit selbsttragender Karosserie
 

Rüsselsheim.  Im April 1935 kommt die automobile Revolution aus Rüsselsheim. Mit dem Modell Olympia 1,3 Liter, benannt nach dem zukünftigen Großereignis des Jahres 1936, schreibt Opel Technik-Geschichte: Der erste deutsche Großserienwagen mit selbst­tragender Ganzstahl-Karosserie – ein noch heute gültiges Bauprinzip - läuft in Rüsselsheim vom Band. Die Neuerung hat Einfluss auf den gesamten Automobilbau, der bisher auf die aus dem Kutschen-Zeitalter stammende Trennung von Rahmen und Aufbau und in der Regel auf eine Holz/Stahl-Gemischtbauweise setzte. Dies ist nun vorbei: „Die von früher her gewohnte Unterteilung zwischen Fahrgestell und Karosserie wird hinfällig“, erklären die Opel-Konstrukteure. Die Vorteile der neuen Konstruktionsweise mit einer Einheit aus Karosserie und Chassis liegen auf der Hand: geringeres Gewicht bei gleichen Abmes­sungen, bessere Fahrleistungen bei unveränderter Motorleistung, erhöhte Sicherheit durch eine steife Fahrgastzelle. 

Mit dem Olympia bringt Opel eine Fülle von Neuerungen in den Automobilbau ein. Aufgrund der selbsttragenden Karosserie besitzt das neue Modell eine verformbare Karosseriestruktur, die im Falle einer Kollision Energie aufnimmt – die „Knautschzone“ ist geboren. Wegweisend ist ebenfalls die Fertigungstechnik. Bei der „Hochzeit“ werden im Produktionsprozess Karosserie mit den vormontierten Antrieb und Achsen verbunden. Diese rationelle Fertigung ermöglicht einen Preis von 2500 Reichsmark für den Olympia, der als Cabriolet-Limousine und zweitürige Limousine zu haben ist und einen maß­geb­lichen Anteil daran hat, dass Opel im Jahr 1935 zudem noch einen neuen Rekord aufstellt. Mit 102.293 gebauten Fahrzeugen überschreitet das Unternehmen als erster deutscher Hersteller die Hunderttausend-Produktionsmarke.


Revolution aus Rüsselsheim 

Das erste Mal stellt Opel sein neues Modell auf der 26. Internationalen Automobil­ausstellung im Februar 1935 in Berlin vor und gewährt dabei Einblicke in die neue Technik. Dach, Türbleche, Motorhaube und Kofferraum des Ausstellungsstücks sind aus Plexiglas gefertigt, um die neue Form des rahmenlosen Aufbaus zu veranschaulichen. Schon im Jahr zuvor, am 19. September 1934, war das „sprengwerkartige Wagenkastengerippe“ zum Patent angemeldet worden. „Das Gerippe der Karosserie ist wie ein Brückenträger aufgebaut, eine Ausführungsform, die bei geringstem Gewicht die mühelose Aufnahme großer Kräfte möglich macht. Dieses Gerippe besteht aus Profilträgern, die wie im Metall­flugzeugbau miteinander verbunden sind“, erklären die Konstrukteure das Prinzip der selbsttragenden Karosserie. Deren Herstellung bringt völlig neue Herausforderungen mit sich. Bisher übernahm der separate Fahrzeugrahmen die tragende Rolle, jetzt muss die Karosserie selbst Kräfte aufnehmen. Mit Hilfe von speziell entwickelten Tiefziehblechen sowie dem Punktschweißverfahren – tausende Schweißpunkte geben dem Stahlkleid des Olympia Halt - gelingt es den Technikern, eine verwindungs- und biegesteife Karosserie zu entwickeln, die zudem zum Vorläufer heutiger Sicherheitszellen im Fahrzeugbau wird. Verformbare Bereiche der Karosserie dienen dem Insassenschutz, eine Sollbruchstelle im gabelförmigen Frontprofil soll im Falle eines Aufpralls einen Teil der Energie verzehren. Auch wenn noch niemand davon spricht, ist beim Olympia erstmals eine „Knautschzone“ an Bord. Opel ist damit Vorreiter einer neuen Sicherheitstechnologie.
 

Hochzeit in der Herstellung
 

So revolutionär wie die Karosserie präsentiert sich auch deren Fertigung. Mit dem Olympia hält die „Hochzeit“ in den Produktionsprozess Einzug, die bis heute gebräuchliche Zusammenführung der Karosserie mit Antrieb und Achsen. Bisher wurde der Fahrzeug­rahmen mit Motor, Getriebe, Lenkung, Achsen und Rädern bestückt, bevor der Aufbau hinzukam. Dies alles geschah auf einer Ebene. Jetzt werden Motor, Getriebe und Achsen mit hydraulischen Hebebühnen unter die an einer Förderkette hängende Karosserie gehoben und miteinander verbunden, sie feiern „Hochzeit“. Am 26. Juni 1935 meldet Opel auf das neue Montageverfahren ein Patent an, das unter der Nummer 765899 erteilt wird und heute noch weltweit den Automobilbau bestimmt.
 


Fortschritt in Form und Technik


Opel bringt die Innovation mit dem Typ Olympia 1,3 Liter unters Volk. Zwei Karosserie­varianten sind lieferbar, beide besitzen als gestalterisches Novum anstelle von freistehen­den Lampen in die Karosserie integrierte Scheinwerfer. Ebenfalls angeboten wird eine zweitürige Limousine. „Auch das Dach ist erstmals aus einem Stück Stahl – ein schützen­der Panzer von höchster Widerstandsfähigkeit“, wie die Werbung verspricht. 

Durch die rahmenlose Bauweise ist der Platz im Innenraum gewachsen, die Ausstattung zeigt sich gediegen. „Die Polstersitze sind mit Cord bezogen, die Rücklehnen der Vorder­sitze lassen sich vorklappen, die Hintersitze sind in Breite und Tiefe so günstig bemessen, dass man volle Bewegungsfreiheit hat und auch dadurch keine Fahrstrapazen spürt.“ Die schon von anderen Modellen bekannte „Opel-Zugfrei-Belüftung“ durch vordere und hintere Ausstellfenster ist ebenfalls patentiert. Der Kofferraum wird von Innen beladen, was auch Vorteile mit sich bringt: „In einem Stück mit der Karosserie fugenlos verbunden, ist er gegen Straßenstaub, Witterungseinflüsse und Diebstahl gleichermaßen geschützt.“

Von der selbstragenden Karosserie profitiert das Fahrverhalten. Das Leergewicht des Olympia liegt bei nur 835 Kilogramm, durch Verzicht auf den separaten Rahmen liegt der Schwerpunkt nun 15 Zentimeter tiefer als beim Vorgängermodell 1,3 Liter. Von diesem hat der Olympia Motor und große Teile des Fahrwerks übernommen. Die Leistung von 24 PS aus 1288 ccm ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h, dabei begnügt sich der seitengesteuerte Reihenvierzylinder mit rund 9 Litern auf 100 Kilometern. Blatt­ge­federte Starrachse und Hinterradantrieb entsprechen dem Stand der Technik, an der Vorderachse verfügt der Olympia über einzeln aufgehängte Räder und die im Jahr 1934 vorgestellte „Opel Synchron-Federung“.
In einem waagerecht am Achsrohr angebrachten, geschlossenen Stahlgehäuse liegt die Feder-Dämpfer-Einheit staubdicht gekapselt in einem Ölbad. Je stärker das Rad einfedert, desto stärker drückt der Tragarm des Rades über einen Nocken auf eine innenliegende Schraubenfeder, beim Ausfedern kommt der Stoßdämpfer zum Einsatz. „Wer den Wagen viel zum Reisen benutzt, wird mit Freude feststellen können, dass Wagen mit Opel-Synchron-Federung die lästigen Begleit­er­scheinungen langer Fahrten – Müdigkeit und Zerschlagenheit – nicht mehr aufkommen lassen. Denn die ermüdenden Nickschwingungen werden durch die Opel-Synchron-Federung in einen angenehmen Fahrrhythmus umgewandelt. Der Opel Typ Olympia ist förmlich mit der Straße verwachsen, seine Sicherheit ist nicht zu überbieten.“

„Er ist der Wagen unserer Zeit“
 

Noch aber trägt der Olympia nicht den berühmten Blitz am Bug. Ein stilisierter Zeppelin steht für den Fortschritt und ein Diskuswerfer für die klassischen Ideale des bevor­stehen­den Sport-Ereignisses. Neben dem Wagen trägt auch die Opel-Werbung moderne Züge. Für den hohen Bekanntheitsgrad des Olympia sorgt Opel mit spektakulären Werbe­aktionen, die den Namen um die Welt tragen. Im Juni 1936 fahren zwei Olympia nach Griechenland, um den Fackelstaffellauf vom Stadion des alten Olympia bis nach Berlin zu begleiten. 3075 Kilometer bewältigen die Fahrzeuge, die sich technisch nicht von Autos der Serie unterscheiden. 

Schon kurz darauf schafft es ein Olympia höher, schneller und weiter hinaus, als irgendein Automobil zuvor. Der 500.000ste Opel seit Beginn der Fertigung im Jahr 1899 – natürlich ein Olympia – nimmt im Bauch des Luftschiffs Hindenburg als erstes Automobil den Luft­weg nach Rio de Janeiro, wo Wagen und Besatzung begeistert empfangen werden. Ähn­lich reagieren die Käufer: 37.127 Olympia werden im Jahr der Olympischen Spiele produ­ziert.

1936 avanciert das Unternehmen mit 120.852 verkauften Lkw und Pkw zum größten Automobilproduzenten Europas. Bis zum Spätsommer 1937 laufen vom Olympia 81.661 Exemplare in Rüsselsheim vom Band, nicht zuletzt dank intensiver Modellpflege. Die beschert dem Olympia 1,3 Liter im gleichen Jahr eine auf 26 PS gestiegene Motorleistung sowie eine hydraulische Bremsanlage und ein Vierganggetriebe. Zum Modelljahr 1938 erfährt der Olympia eine grundlegende Überarbeitung und präsen­tiert sich in drei Varianten. 2675 Mark kostet die zweitürige Limousine ab Werk, 2750 Mark die Cabriolet-Limousine und 2950 Mark die neue Limousine mit vier Türen. Statt der mittig angeschlagenen Motorhaubenhälften bekommt der Olympia eine vorn und in einem Stück zu öffnende „Alligatorhaube“. Die größte Änderung verbirgt sich darunter. Mit dem 38 PS starken 1,5 Liter-ohv-„Hochleistungsmotor“ debütiert ein Meilenstein des Motorenbaus bei Opel. Das Konstruktionsprinzip mit hängenden Ventilen, angetrieben von Stoßstangen, und kurzhubiger Auslegung distanziert den Olympia klar von seinen unterlegenen Kon­kurrenten und qualifiziert den 1,5 Liter sogar für den Motorsport.

Elf Wagen, darunter drei Olympia im Serientrimm, nehmen 1938 an der internationalen Deutschen Alpenfahrt teil. Mehr als 1600 Kilometer die über 38 Pässe führen machen die „Gebirgsfernfahrt“ zur Belastungsprobe für Mensch und Material. Die Fahrt wird für Opel zu einem Triumph: alle elf Autos kommen ins Ziel, gewinnen fünf Goldplaketten, zwei Edelweißmedaillen und den begehrten Alpenpokal für den besten Serienwagen.

Im Jahr 1940 muss die Produktion ziviler Fahrzeuge in Rüsselsheim eingestellt werden, ins­gesamt 168.875 Olympia rollen bis dahin vom Band. Im Dezember 1947 ist der erste Personenwagen aus Rüsselsheim wieder ein Olympia.