Vor 75 Jahren: Fritz von Opel startet zum ersten bemannten Raketenflug der Welt

28. September 2004   
Am Frankfurter Rebstock donnern die Raketen 

Vor 75 Jahren:

Fritz von Opel startet zum ersten bemannten Raketenflug der Welt




Rüsselsheim.  Ende der zwanziger Jahre dringt Fritz von Opel mit dem Opel-Raketen­programm in neue Welten der Antriebstechnik vor. Nach den erfolgreichen Starts mit raketengetriebe­nen Fahrzeugen katapultiert sich der wagemutige Unternehmer am 30. September 1929 auf dem Frankfurter Rebstockgelände in die Luft – zum ersten bemannten Raketenflug der Welt. Sein Flugzeug bleibt etwa 80 Sekunden in der Luft und legt eine Strecke von zwei Kilometern zurück, bevor der Versuch in einer Bruchlandung endet. Fritz von Opel bleibt unverletzt.  

Der Urknall in Sachen Raketen-Zeitalter erfolgt im Herbst 1927. Nach einem Treffen mit dem Raketen-Visionär Max Valier beschließt Fritz von Opel, sich aktiv an der Entwicklung eines neuen „Raketen-Motors“ zu beteiligen. Zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Zieles schließt der Enkel des Firmengründers Adam Opel einen Vertrag mit Friedrich Wilhelm Sander, der sich mit raketengetriebenen Rettungsgeräten bereits einen Namen gemacht hat. Die Zusammenarbeit liefert bald erste Ergebnisse: Nach geheimen Probefahrten folgt am 11. April 1928 der erste öffentliche Start eines Raketenwagens auf der Opel-Rennbahn südlich von Rüsselsheim. Der RAK 1 getaufte Prototyp erreicht binnen acht Sekunden die 100 km/h-Marke - die Vorführung im Beisein internationaler Presse wird ein voller Erfolg. Noch eindrucksvoller ist die Rekordfahrt des neu entwickelten "RAK 2" auf der Berliner Avus am 23. Mai des gleichen Jahres. Das rund fünf Meter lange Experimental-Fahrzeug verfügt über zwei gewaltige Flügel mit negativem Anstellwinkel, die den errechneten Auftrieb kompensieren sollen. Um 10.40 Uhr ist es soweit: Fritz von Opel zündet per Fußpedal den "RAK 2". 24 Pulverraketen mit insgesamt 120 Kilogramm Sprengstoff katapultieren das Fahrzeug auf über 230 km/h. Im allgemeinen Freuden­taumel kündigt Fritz von Opel weitere Aktivitäten an, die sich nicht nur auf den Erdboden beschränken sollen: „In der fünften Etappe werden wir zu bemannten Raketen über­gehen...". „Raketen-Fritz“ wird anlässlich dieser Aussagen zunächst belächelt. Die Öffentlichkeit und seine zahlreichen Kritiker müssen jedoch bald erkennen, dass Fritz von Opel seine Ankündigungen durchaus ernst meint und das RAK-Programm konsequent weiter voran treibt.
 

Nachdem der unbemannte "RAK 3" am 23. Juni des gleichen Jahres den Geschwindig­keitsrekord für Schienenfahrzeuge auf einer schnurgeraden Eisenbahnlinie bei Burgwedel auf 254 km/h treibt, folgen im Sommer 1929 die Vorbereitungen für den ersten bemann­ten Raketenflug. Julius Hatry, seines Zeichens Fluglehrer und -konstrukteur, entwickelt einen Hochdecker mit doppeltem Leitwerk. Dabei handelt es sich um das erste, speziell für den Raketenantrieb gebaute Flugzeug weltweit. Am 30. September 1929, um 15.30 Uhr, steigt Fritz von Opel mit dem RAK 1 in die Luft. Auf dem Frankfurter Flughafen, damals noch auf dem Rebstock-Gelände gelegen, erreicht er eine Höhe von 20 bis 30 Metern und legt in 80 Sekunden knapp zwei Kilometer zurück. Damit war der erste öffentliche Rake­tenflug in der Luft­fahrtgeschichte perfekt. Erstmals war es einem Menschen gelungen, ausschließlich mit Raketenkraft zu starten und in einen Steigflug mit anschließendem Streckenflug über­zugehen. 
 

Die nötige Kraft zum Abheben erreichen die Konstrukteure durch das Zünden von zwei Raketen, die das Flugzeug auf gut 100 km/h beschleunigen. Gleichzeitig sorgen zwei weitere dieser 40 Zentimeter langen und rund 6,5 Kilogramm schweren Treibsätze nach dem Verlassen des Raketen­schlittens für weiteren Schub von insgesamt 96 Kilogramm und ermöglichen so den Steigflug. Zum Start weiterer Raketen, versagt der Zündmechanis­mus. Fritz von Opel ist zur Landung in „....ungeeignetem Gelände....“, wie es in zeit­genössischen Berichten heißt, gezwungen. Er zertrümmert beim Aufsetzen das Flugzeug, bleibt aber unverletzt. 
 

Opel und Sander arbeiten darüber hinaus auch an der Konstruktion eines Flüssigkeits-Raketentriebwerkes. Sie stehen damit in Konkurrenz zu Forschergruppen um die als Raketenpioniere bekannt gewordenen Professor Herman Oberth, Wernher von Braun, Johannes Winkler oder Arthur Rudolph. Bereits im April 1929 testen sie zwei Raketen, in denen ein mit flüssigen Brennstoffen betriebener „Reaktionsmotor“ für enormen Schub sorgt. Es entsteht ein Raketenmotor, der über eine Brenn­dauer von rund einer halben Stunde einen Dauerschub von circa 300 Kilogramm ent­wickelt. Ein Triebwerk dieser Bauart verpflanzen die Pioniere schließlich in ein Leichtflugzeug. Zu dem ursprünglich geplanten Flug Fritz von Opels über den Ärmelkanal kommt es jedoch nicht mehr: Die Opel-Raketenversuche enden im Herbst 1929. Fritz von Opel muss seine Arbeiten einstellen, da einerseits die Weltwirt­schaftskrise ihren Tribut fordert, andererseits der neue Mehrheits­eigner General Motors sich auf das Fahrzeuggeschäft konzentrieren will. Die Verwirk­lichung seiner Visionen konnte Fritz von Opel noch selbst erleben: Im August 1939 hob das erste serientaugliche Strahlflugzeug der Welt vom Boden ab, die Heinkel HE 178. Der Russe Juri Gagarin stieß als erster Mensch am 12. April 1961 in den Weltraum vor, und Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond.
 

Wegen der Bedeutung für die Raketenentwicklung entschloss sich die Adam Opel AG im Jahr 1999, einen Nachbau des legendären Opel-Raketenflugzeugs nach teilweise erhaltenen, authentischen Unterlagen und Angaben von Julius Hatry in Auftrag zu geben. Den Bau der Replik übernahm die Augsburger Flugzeugwerft Bitz GmbH. Zu sehen ist der Nachbau des Opel-Raketenflugzeugs bei Opel Live in Rüsselsheim, Friedrich-Lutzmann-Ring 2.

Viel politische Prominenz im Opel-Oldtimer

14. Juli 2004  
Viel politische Prominenz im Opel-Oldtimer 



2.000 Kilometer durch Deutschland: Hans Eichel und Jörg Schönbohm am Steuer
 

Rüsselsheim.  Bei der 16. Neuauflage des Oldtimer-Klassikers „2.000 Kilometer durch Deutschland“ vom 18. bis zum 24. Juli nehmen auf einigen Etappen wieder prominente Fahrer Platz am Steuer von Oldtimern aus der Opel-Classic-Sammlung. So fahren unter anderem die Innenminister aus Brandenburg, Jörg Schönbohm, Sachsen-Anhalt, Klaus-Jürgen Jeziorsky, und Thüringen, Karl Heinz Gasser, sowie aus Niedersachsen Wirt­schaftsminister Walter Hirche und Umweltminister Hans-Heinrich Sander. Ihre Teilnahme zugesagt haben auch der Verkehrsminister Brandenburgs, Frank Szymanski, und der Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium, Bernd Abeln. Prominentester Opel­fahrer wird Bundesfinanzminister Hans Hans Eichel sein, der von Opel-Kommunikations­direktor Frank Klaas begleitet wird. Außerdem dabei: DTM-Pilot Manuel Reuter und Tat­ort-Schauspieler Axel Pape und sein Bruder Lars. Opel setzt bei der diesjährigen Veran­staltung ein Super 6 Gläser Cabrio aus dem Jahr 1937 und einen Kapitän von 1962 ein.
 

Die Zuverlässigkeitsfahrt „2.000 Kilometer durch Deutschland“ fand erstmals 1933 statt. Seit 1989 gibt es die Neuauflage dieser Dauerprüfungsfahrt – sie ist heute der mit Ab­stand größte und spektakulärste Langstreckenklassiker für Oldtimer in Deutschland. Start- und Zielort ist auch in diesem Jahr Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen. Von hier aus geht das Rennen an sieben Tagen durch zehn Bundesländer.
 

Das Gläser Cabrio von 1937 ist das luxuriöse Schmuckstück der erfolgreichen Super 6 Reihe von Opel, das durch ausgewogenen Fahrkomfort und zeitlos klassisches Karosserie­design besticht. Der große Erfolg des Super 6 wurde allerdings durch seinen direkten Nachfolger noch deutlich übertroffen: den Opel Kapitän. Die Modellvariante von 1962 ist nicht nur der erfolgreichste Kapitän aller Zeiten, sondern war damals die meistverkaufte 6-Zylinder-Limousine in Deutschland überhaupt.

Sepp Herbergers Auto ist immer noch rüstig

1. Juli 2004  
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0 Jahre nach dem „Wunder von Bern“ 

Sepp Herbergers Auto ist immer noch rüstig



Zum Jahrestag des WM-Endspiels 1954 steht ein grüner Opel Rekord im Mittelpunkt  

Rüsselsheim. Wenn sich am 4. Juli der Erfolg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz zum fünfzigsten Mal jährt, rückt ein dezent-dunkelgrünes Auto aus der historischen Sammlung der Adam Opel AG in den Mittelpunkt. Der Opel Rekord B, Baujahr 1966, war der letzte Wagen des ehemaligen Bundestrainers Sepp Herberger. Das Automobil ist noch rüstig: Zum Jubiläum des „Wunders von Bern“ legte es die Strecke vom Herberger-Haus in Weinheim an der Bergstrasse zu den eidge­nössischen WM-Stätten klaglos zurück. Die Reise ist im Besucherzentrum Opel Live in Rüsselsheim dokumentiert, wo der Herberger-Rekord noch bis zum 16. Juli als Teil der Ausstellung „Künstler am Ball“ zu sehen ist. 
 

Opel-Fahrer Herberger galt als Mensch, dem der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen war. Auch nach dem 3:2-Triumph gegen Ungarn im Berner Wankdorfstadion blieb er „mit beiden Beinen auf dem Boden“, wie ihn Freunde und Nachbarn charakterisierten. Die Angebote anderer Hersteller, ein Auto „dauerhaft und gratis“ zur Probe zu fahren, schlug er aus, blieb der Marke Opel treu. Den Rekord kaufte er am 8. April 1966 im Opel-Autohaus Sporer in Weinheim-Lützelsachsen, kaum einen Kilometer von seinem Wohnort in Hohen­sachsen, Sepp-Herberger-Str. 8 entfernt. Er bezahlte ihn bar aus eigener Tasche, ohne jeden Rabatt und Nachlass. 9564,50 Mark kostete der Rekord B, der mit seinem damals technisch aufwändigen, 66 kW/90 PS starken Reihenvierzylinder und im Zylinderkopf liegender Nockenwelle als fortschrittlichstes Auto im Opel-Angebot galt. Ausgestattet war der rund 1000 Kilogramm schwere Wagen mit Extras wie Vierganggetriebe (serienmäßig gab es nur drei Übersetzungen), einem Heckscheibentrockner (dem Vorgänger der Heck­scheibenheizung), Stahlschiebedach, Weißwandreifen und Nebelscheinwerfern. Ein klein wenig Luxus gönnte sich er dann doch, der Fußball-Lehrer von der Bergstraße. Schließlich war er mit dem Auto im Auftrag des DFB zu so mancher Spielerbeobachtung unterwegs.
Auf der Nostalgie-Reise in die Schweiz zeigt sich der Rekord auch nach 38 Jahren von seiner agilen Seite und schafft die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h locker. Die Federung ist trotz der Starrachse unter dem Wagenheck durchaus komforta­bel, die Schaltung funktioniert präzise, nur die Lenkung ist aus heutiger Sicht reichlich ungenau. Dafür verblüfft der geringe Treibstoffkonsum des hinterradgetriebenen Vier­türers: Nur rund acht Liter Superbenzin verbraucht er bei moderater Autobahnfahrt auf 100 Kilometer. Bei 45 Liter Tankinhalt waren damals schon anständige Reichweiten möglich, der Rekord straft jene Lügen, die behaupten, alte Autos wären maßlos in Sachen Treibstoffverbrauch. 

Die Reise führt von Weinheim nach Rheinfelden zur Schweizer Grenze, mühelos zieht der Rekord die Steigungen der Voralpen hinauf. Spiez heißt das Etappenziel, in der kleinen Stadt am Ufer des Thuner Sees bezogen die deutschen Kicker damals, 1954, ihr Quartier im Hotel Belvédère. Hier hängt noch heute das Mannschaftsfoto der deutschen Elf mit den Unterschriften Herbergers und seiner Spieler als Dekoration in der Eingangshalle. Auf der Baustelle des neuen Wankdorfstadions (das alte wurde 2001 abgerissen) in Bern ist schließlich das Ziel der Reise erreicht. Zwischen Baukränen und Betonelementen entsteht das Zielfoto mit dem Rekord 1900 B. Mühelos hat der betagte Wagen die Fahrt bewältigt, nicht minder munter gelingt ihm tags darauf der Rückweg nach Rüsselsheim in die Hallen der historischen Sammlung von Opel.
 

Nach dem Tod Sepp Herbergers 1977 stand der Wagen Jahre in der Garage seines Anwe­sens in Weinheim-Hohensachsen. 1994 kaufte Opel das Auto aus dem Nachlass der inzwi­schen ebenfalls verstorbenen Witwe Eva Herberger. In der Werkstatt für historische Fahr­zeuge renovierten ihn die Oldtimer-Spezialisten sorgsam, setzen die technische Ausstat­tung in Stand. Der Rekord B ist heute zum raren Stück geworden. Nur elf Monate, in den Jahren 1965 bis 1966 wurde er als Nachfolger des ersten, seit 1963 gebauten Rekord-Modells in einer Auflage von 294.185 Stück produziert.

Vor einhundert Jahren: Opel startet beim Gordon-Bennett-Rennen

15. Juni 2004 
Neuauflage des Motorsport-Klassikers von 1904 
Vor einhundert Jahren: Opel startet beim Gordon-Bennett-Rennen 



Ausstellung mit legendären Opel-Rennwagen aus den Jahren 1913 und 1914
  

Rüsselsheim/Bad Homburg.  Oldtimer- und Motorsportfans werden sich freuen, denn aus der historischen Sammlung der Adam Opel AG sind gleich zwei Opel-Rennwagen aus den Jahren 1913 und 1914 am Rande des Gordon-Bennett-Jubiläumsrennens vom 16. bis 20. Juni 2004 in Bad Homburg zu sehen. Das vom „Allgemeinen Schnauferlclub e.V.“ und dem Automobilclub von Deutschland (AvD) veranstaltete „Gordon-Bennett-Rennen 1904-2004“ führt wie bei seiner Deutschland-Premiere vor einhundert Jahren durch den Taunus und den Westerwald. Insgesamt 70 drei- und vierrädrige Veteranen-Motorwagen bis zum Baujahr 1918 nehmen an der historischen Motorsport-Veranstaltung teil.
 

Die beiden ausgestellten Opel-Rennwagen gelten als meisterhafte Ingenieurleistungen:
Von dem 110 PS starken Rennwagen mit revolutionärem 16-Ventil-Vierzylinder-Motor wurden 1913 nur drei Fahrzeuge gebaut, die in diesem Jahr erstmals wieder gemeinsam zu bewundern sind. Die beiden anderen Fahrzeuge im Privatbesitz nehmen an dem Rennen teil. Der zweite ausgestellte Rennwagen entstand 1914 und gilt als das hubraumstärkste Fahrzeug der Opel-Modellgeschichte: Das Vierzylinder-Aggregat des „Monster“ genann­ten Boliden verfügt über 12,3 Liter Hubraum und 260 PS.
 

Beim Gordon-Bennett-Rennen im Jahr 1904 war Opel mit einem 100-PS-Vierzylinder-Rennwagen am Start. Fritz Opel und sein Copilot Carl Jörns schieden auf der Strecke durch den Taunus zwar unglücklich aus, gewannen aber bereits das folgende Rennen auf der Frankfurter Trabrennbahn. Seitdem hat Opel die Motorsport-Geschichte entscheidend mitgestaltet und sich bis heute wiederholt in die Siegerlisten eintragen können.

Vor 80 Jahren hüpfte der erste Opel Laubfrosch vom Band

2004-05-04

Erstes Großserienfahrzeug der deutschen Automobilgeschichte

Vor 80 Jahren hüpfte der erste Opel Laubfrosch vom Band



Rüsselsheim. Im Frühjahr 1924, heute vor 80 Jahren, rollte der erste Opel 4/12 PS vom Band. Er war eine Provokation für den damaligen Herrenfahrer: klein und grün statt groß und schwarz. Mehr noch: Er wurde nicht in aufwändiger Einzelfertigung hergestellt, sondern am Fließband. Der kleine Gebrauchswagen, im Volksmund wegen seiner Lackierung "Laubfrosch" genannt, revolutionierte die Automobilproduktion in Deutschland. Die Herstellung am Band sorgte für einen relativ erschwinglichen Preis, das "Auto des kleinen Mannes" war geboren. Die Stückzahlen kletterten in damals ungeahnte Höhen. Rund 120.000 Einheiten wurden von Mai 1924 bis Juni 1931 hergestellt.


Tatsächlich leistet der Opel 4 PS, so die offizielle Modellbezeichnung nach den damals hubraumbezogenen Kfz-Steuer-PS, zwischen 12 und 14 Pferdestärken. Sein Einliter-Motor, ein Reihenvierzylinder, beschleunigt den Kleinwagen in der Spitze auf 60 km/h und schafft im dritten Gang eine Dauergeschwindigkeit von beachtlichen 50 km/h. Der offene Zweisitzer ist 3,20 Meter lang, 1,35 Meter breit und 1,65 Meter hoch, hat ein Klappverdeck als Wetterschutz und sogar einen hinter der Sitzbank integrierten Kofferraum. Die Motorhaube, mit großen Kühlerluftschlitzen ausgestattet, wird vorne von einem angedeuteten Spitzkühler mit polierter Kühlermaske begrenzt, hinten läuft der zweisitzige Aufbau in einem spitzen Bootsheck aus. Die Räder sind aus Pressstahl gefertigt, der Schalthebel ist nicht mehr außenbords angebracht, sondern leicht erreichbar in der Fahrzeugmitte, so wie heute.


Der "Wagen für Jedermann", so die damalige Opel-Werbung, kostete beim Produktionsstart 4.500 Rentenmark – wenig im Vergleich zu anderen Fahrzeugen, aber immer noch so viel wie ein Eigenheim. Zum Volks-Opel wurde er, weil sein Verkaufspreis dank stetig weiterentwickelter Fließbandtechnik von Jahr zu Jahr sank. 1930, Opel hatte bereits 100.000 Exemplare verkauft, war der Opel 4 PS in der einfachen Ausführung als Zweisitzer schon für 1.990 Reichsmark erhältlich. Da hatte er sich bereits als ideales Transportmittel für gewerblich tätige Zeitgenossen wie Landärzte, Architekten oder Handelsvertreter durchgesetzt. In einer Zeitungsannonce sprachen die Opel-Werber diese Klientel gezielt an: "Ein Auto ist eine Verdienstquelle, auch für Sie ... Sie wissen, dass Sie einen Mehrumsatz erzielen können, wenn Sie rascher von Ort zu Ort gelangen."


Der Erfolg des ersten in Großserie gefertigten Automobils in Deutschland war nicht absehbar, als sich die Opel-Brüder 1923, mitten in der Inflationszeit, entschieden, ein Auto mit gänzlich neuen Produktionsmethoden herzustellen und die rückständige deutsche Automobilfabrikation zu revolutionieren. 1922 hatte Fritz Opel in Detroit die Fließbänder, die neuen Fertigungsmethoden und den Einsatz moderner Werkzeugmaschinen studiert. Jetzt kaufte man in den USA die Spezialmaschinen zur rationellen Massenfabrikation und installierte sie in Rüsselsheim.


Ganze 45 Meter war das erste Fließband lang. Nicht viel, aber es revolutionierte die Fertigung. Neu waren auch die Förderketten, die sich bald wie Schlagadern durch die Fabrik zogen. Vorbei die Zeiten, in denen sich die Arbeiter ihr Material von Hand oder mit einem Karren heranholen mussten – Kurbelgehäuse, Nockenwellen oder Zylinderblöcke kamen jetzt auf Transportbändern zu ihnen. Auch das Herzstück der Fabrik, die Montagebahn, wuchs stetig an. Im Jahre 1928 erstreckte sich die Fließbandproduktion im Rüsselsheimer Werk bereits auf einer Länge von 2.000 Metern.


Auf eine Tagesleistung von 25 Fahrzeugen hatte Fritz Opel bei Produktionsbeginn im Frühjahr 1924 gehofft. Schon am Jahresende waren es 100 Automobile, 1925 hüpften jeden Tag 125 Laubfrösche von den Bändern. Die Nachfrage übertraf die Erwartungen bei weitem. Mit den neuen Produktionsanlagen weitete sich auch die Modellpalette des Typs 4/12 aus. Bereits im November 1924 gesellten sich zum Zweisitzer-Spitzheck-Wagen ein offener Tourer mit drei Sitzen (Farbe grün), eine geschlossene, stahlblaue Limousine mit drei Sitzen und ein Lieferwagen (Standardfarbe rotbraun).


Ende der zwanziger Jahre erhielten alle Modelle stärkere Motoren mit 1,1 Liter Hubraum und 18 bzw. 20 PS. So konnte sich der zuverlässige Laubfrosch zum Meilenstein für die deutsche Automobilindustrie entwickeln. Heute sind die 4 PS-Modelle unter Oldtimerfreunden gesuchte Raritäten. In Europa gibt es rund 100 fahrbereite Exemplare.