Opel-Rennbahn vor 80 Jahren eingeweiht

21. Oktober 2000
Erste permanente Rennstrecke Deutschlands
Opel-Rennbahn vor 80 Jahren eingeweiht

  • Schauplatz der weltweit ersten Raketenfahrt
  • Legendäres Testgelände
Rüsselsheim. Heute vor 80 Jahren fiel südlich von Rüsselsheim auf der Opel-Rennbahn am Schönauer Hof erstmals ein Startschuss für eine Motorsportveranstaltung. Das werkseigene Versuchsgelände war zugleich die erste permanente Rennstrecke Deutschlands. Über 10.000 Menschen säumten die Strecke und waren von den motorsportlichen Leistungen der Rennfahrer begeistert. Zu den erfolgreichen Teilnehmern am ersten Renntag auf der Opel-Rennbahn gehörten unter anderem Fritz von Opel, der bei zwei Wettbewerben den Sieg erringen konnte, sowie Hans von Opel, der im Rennen über 15 Kilometer auf einem 9 PS starken Opel Platz drei belegte.

Damit begann im Oktober 1920 eine mehr als zehnjährige Ära, in der sich die Opel-Rennbahn zu einem Rennsport-Mekka entwickelte, das neben dem Automobil- und Motorradrennsport auch den Radsport beherbergte.

Neues Testgelände notwendig

Die alte ovale Einfahrbahn auf dem Werksgelände, auf der zum Beginn des Jahrhunderts die fertiggestellten Last- und Personenkraftwagen ausgiebig getestet und eingefahren wurden, reichte schon wenige Jahre später nicht mehr aus. Die kontinuierlich fortschreitende technische Entwicklung brachte immer schnellere Fahrzeuge hervor, so dass Versuchsfahrten zunehmend im öffentlichen Straßenverkehr stattfanden. Damit wurde letztlich der Bau einer völlig neuen Anlage für die Automobilerprobung unausweichlich. Das Konzept für die Opel-Rennbahn, deren Bau 1917 begann, sah eine ovale Piste vor, die für Einfahrzwecke, nach dem Krieg vor allem aber auch als "Sportbahn" fungieren sollte.

Platz für mehr als 50.000 Zuschauer

Der 1919 fertiggestellte Oval-Kurs erstreckte sich über 1,5 Kilometer. Die 12 Meter breite Betonfahrbahn mit zwei überhöhten Kurven (32 Grad) und unterschiedlichen Kurvenradien ermöglichte Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h. Von den hölzernen Tribünen im Start-/Ziel-Bereich ließ sich die ganze Strecke überblicken. Rund 50.000 Zuschauer fanden zudem auf einem umlaufenden Erdwall im Innenraum des Ovals Platz. An den Werktagen wurde die Strecke als Test- und Einfahrbahn für Prototypen und Neuwagen genutzt, an den Wochenenden fanden immer öfter Auto-, Motorrad- und sogar Fahrradrennen statt. Bis Ende der 20er Jahre traten auf der Opel-Rennbahn alljährlich die besten Fahrer der Welt, darunter auch der berühmte Rudolf Caracciola, gegeneinander an. Auf Marken wie BMW, BSA, Fiat, Horex, Mercedes, Norton, NSU, Sunbeam und natürlich Opel.

Das Automobilunternehmen nutzte die große Beliebtheit der spektakulären Veranstaltungen auf der Opel-Rennbahn auch für eigene Werbezwecke. So präsentierte das Werk 1925 im Anschluss an ein Rennen die gesamte Tagesproduktion des neuen Modells 4/12 PS der Öffentlichkeit. Dies war der erste Großserienwagen in Deutschland, denn Opel hatte ein Jahr zuvor als erster deutscher Hersteller die Fließbandproduktion eingeführt. Rund 125 dieser im Volksmund "Laubfrosch" genannten, kleinen Automobile zogen am staunenden Publikum vorüber.

Erprobungen von Raketenfahrzeugen

Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Opel-Rennbahn sind die Raketenexperimente unter der Leitung von Fritz von Opel im Frühjahr 1928. Am 12. März unternahm der Opel-Ingenieur und Rennfahrer Kurt Volkhart mit einem Versuchsfahrzeug auf der Opel-Rennbahn die weltweit erste Raketenfahrt. Nur einen Monat später war das Opel-Testgelände Schauplatz des ersten öffentlichen Starts eines Raketenwagens. Diese Versuchsreihen auf der Opel-Rennbahn legten den Grundstein für ein erfolgreiches Kapitel in der Erforschung der Raketentechnologie.

Anfang der 30er Jahre fiel der Schleier des Vergessens über die Opel-Rennbahn, da sie infolge der rasanten Entwicklung in der Automobiltechnologie nicht mehr den gewachsenen Anforderungen genügte. Nur noch selten nutzten Opel-Ingenieure das Test-Oval für die Erprobung von Spezialentwicklungen. 1949 lief der Pachtvertrag aus. Noch heute ist der Kurs als solcher erkennbar, auch wenn er durch den umgebenden Wald gänzlich zugewachsen ist.

Versuchsgelände Dudenhofen – Zentrum der weltweiten Opel-Erprobung

Heute unterhält Opel ein hochmodernes Testzentrum in Dudenhofen, 30 Kilometer östlich von Rüsselsheim. Auf einer Fläche von rund 2,6 Millionen Quadratmetern und einem Streckennetz von 43 Kilometern nehmen 190 Testfahrer, Mechaniker und technische Angestellte die Dauererprobung von neuen Opel-Fahrzeugen vor. Darüber hinaus testen die Opel-Ingenieure die Prototypen auf allen fünf Kontinenten der Erde unter den verschärften klimatischen Bedingungen in den unterschiedlichsten Regionen.

Erster bemannter Raketenflug der Welt

29. September 2000
Opel Sander RAK I 1929
Erster bemannter Raketenflug der Welt



Ende der zwanziger Jahre: Fritz von Opel dringt mit dem RAK-Raketenprogramm in völlig neue Welten der Antriebstechnik vor. Nach den erfolgreichen Starts mit raketengetriebenen Fahrzeugen katapultiert sich Fritz von Opel im September 1929 mit dem Opel-Sander RAK 1 in die Luft. Wie bei den zurückliegenden, erdgebundenen Versuchen sorgen auch hier Feststoff-Raketen für fulminanten Vortrieb. Nach aktuellsten Untersuchungen war dies der erste bemannte Raketenflug der Welt. Parallel zu diesen Flügen entwickeln die Rüsselsheimer in Zusammenarbeit mit dem Raketentechniker Friedrich Wilhelm Sander aber auch funktionstüchtige Flüssigkeits-Raketentriebwerke und strafen mit diesen Arbeiten die Kritiker Lügen, die das Opel RAK-Programm als reinen Reklame-Gag abkanzeln möchten.

Der Rüsselsheimer Urknall in Sachen Raketen-Zeitalter erfolgt im Herbst 1927. Nach einem Treffen mit dem Raketen-Visionär Max Valier beschließt Fritz von Opel, sich aktiv an der Entwicklung eines neuen "Raketen-Motors" zu beteiligen. Zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Zieles schließt der Enkel des Firmengründers Adam Opel einen Vertrag mit Friedrich Wilhelm Sander, der sich mit raketengetriebenen Rettungsgeräten bereits einen Namen gemacht hat und sich ebenfalls von der Idee des Raketenmotors begeistern läßt. Die Zusammenarbeit liefert bald erste leistungsfähige Ergebnisse: Nach geheimen Probefahrten folgt am 11. April 1928 der erste öffentliche Start eines Raketenwagens auf der Opel-Rennbahn südlich von Rüsselsheim. Der RAK 1 getaufte Prototyp erreicht binnen acht Sekunden die 100 km/h-Marke - die Vorführung unter Augen der internationalen Presse wird ein voller Erfolg. Noch eindrucksvoller ist die Rekordfahrt des neu entwi-ckelten "RAK 2" auf der Berliner Avus am 23. Mai des gleichen Jahres. Das rund fünf Meter lange Experimental-Fahrzeug verfügt über zwei gewaltige Flügel mit negativem Anstellwinkel, die den errechneten Auftrieb kompensieren sollen. Um 10.40 Uhr ist es soweit: Fritz von Opel zündet per Fußpedal den "RAK 2". 24 Pulverraketen mit insgesamt 120 Kilogramm Sprengstoff katapultieren das Fahrzeug auf über 230 km/h. Im allge-meinen Freudentaumel kündigt Fritz von Opel weitere Aktivitäten an, die sich nicht nur auf den Erdboden beschränken sollen: "In der fünften Etappe werden wir zu bemannten Ra-keten übergehen...". "Raketen-Fritz" wird anlässlich dieser Aussagen zunächst belächelt. Die Öffentlichkeit und seine zahlreichen Kritiker müssen jedoch bald erkennen, das Fritz von Opel seine Ankündigungen durchaus ernst meint und das RAK-Programm konse-quent weiter voran treibt.

Nachdem der unbemannte "RAK 3" am 23. Juni des gleichen Jahres den Geschwindigkeitsrekord für Schienenfahrzeuge auf einer schnurgeraden Eisenbahnlinie bei Burgwedel von 215 auf 254 km/h treibt, folgen im Sommer 1929 die Vorbereitungen für den ersten Raketenflug. Julius Hatry, seines Zeichens Fluglehrer und -konstrukteur, entwickelt und baut für die Opel RAK-Versuche einen Hochdecker mit doppeltem Leitwerk. Dabei handelt es sich um das erste, speziell für den Raketenantrieb gebaute Flugzeug weltweit. Nach eingehenden Schleppversuchen und Experimentalflügen zur Erprobung und Entwicklung der erforderlichen Treibsätze steigt Fritz von Opel am 30. September 1929 erfolgreich mit einem RAK 1 in die Luft. Auf dem Frankfurter Flughafen, damals noch auf dem Rebstock-Gelände gelegen, erreicht er eine Höhe von gut 15 Meter und legt in eineinhalb Minuten knapp zwei Kilometer zurück. Damit war der erste öffentliche Raketenflug in der Luftfahrtgeschichte perfekt. Erstmals war es einem Menschen gelungen, ausschließlich mit Raketenkraft zu starten und in einen Steigflug mit anschließendem Streckenflug überzugehen. Die nötige Beschleunigung zum Abheben des RAK 1 erreichen die Konstrukteure mit einem Raketenschlitten, der das Flugzeug auf gut 100 km/h beschleunigt. Gleichzeitig zünden zwei sogenannte "Seelenraketen", zwei weitere dieser 40 Zentimeter langen und rund 6,5 Kilogramm schweren Treibsätze sorgen nach dem Verlassen des Raketenschlittens für weiteren Schub von insgesamt 96 Kilogramm und ermöglichen so den Steigflug. Nachdem Fritz von Opel weitere Raketen zum Weiterflug zündet, versagt dann der mit einem Akku betriebene Zündmechanismus. Fritz von Opel ist zur Landung in "....ungeeignetem Gelände....", wie es in zeitgenössischen Berichten heißt, gezwungen und zertrümmert beim Aufsetzen das Raketenflugzeug, bleibt aber unverletzt.

Neben diesem wegweisenden Raketenflug arbeiten von Opel und Sander aber auch an einer weitaus interessanteren Entwicklung. Bereits 1928 beginnen sie unter strengster Geheimhaltung mit der Konstruktion eines Flüssigkeits-Raketentriebwerkes und stehen damit in direkter Konkurrenz zu Forschergruppen um die gemeinhin als Raketenpioniere bekannt gewordenen Professor Herman Oberth, Wernher von Braun, Johannes Winkler oder Arthur Rudolph. Bereits im April 1929 testen sie zwei Raketen, in denen ein mit flüssigen Brennstoffen betriebener "Reaktionsmotor" für enormen Schub sorgt. Die Versuche enden mit dem Verlust der beiden Raketen, die wie Geschosse die Startrampe verlassen und anschließend nicht mehr gefunden werden. Nach diesen erfolgreichen Tests entsteht ein Raketenmotor, der auf dem Rüsselsheimer Werksgelände über eine Brenndauer von rund einer halben Stunde einen Dauerschub von circa 300 Kilogramm entwickelt. Ein Triebwerk dieser Bauart verpflanzen die Pioniere schließlich in ein G.M.G.-Leichtflugzeug (Gebrüder Müller, Griesheim), das auf der Opel-Bahn praktische Tests und Rollversuche übersteht. Zu dem ursprünglich geplanten Flug Fritz von Opels über den Ärmelkanal kommt es jedoch nicht mehr. Die Opel-Sander-Raketenversuche enden im Herbst 1929. Fritz von Opel muss seine Arbeiten einstellen, da einerseits die Weltwirtschaftskrise ihren Tribut fordert, andererseits der neue Mehrheitseigner General Motors sich auf das Fahrzeuggeschäft konzentrieren will. Die Verwirklichung seiner Visionen konnte Fritz von Opel noch selbst erleben: Im August 1939 hob das erste serientaugliche Strahlflugzeug der Welt vom Boden ab, die Heinkel HE 178. Der Russe Juri Gagarin stieß als erster Mensch am 12. April 1961 in den Weltraum vor, und Neil Armstrong betrat am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond.

Welche Tragweite diese RAK-Entwicklungsarbeiten 1928/1929 hatten, wird angesichts der Ergebnisse der anderen Forschergruppen deutlich, die ähnlich leistungsfähige Flüssigkeits-Triebwerke erst Anfang der dreißiger Jahre präsentieren können. Ein weiteres Indiz, dass von Opel und Sander ihrer Zeit weit voraus waren, liefern die deutschen Machthaber Mitte der dreißiger Jahre. Sie wollen alle Aktivitäten in dieser Richtung unter eigener Kontrolle halten, unliebsame Konkurrenten werden konsequent ausgeschaltet. Sander, der nach seiner Trennung von Opel als Privatunternehmer die Raketenentwicklung weiter vorantreibt, wird von der Gestapo verhaftet. Seine Firma muss er nach fadenscheinigen Anklagen verkaufen, sämtliche Unterlagen werden beschlagnahmt. Ähnliches ereignet sich in Rüsselsheim: Hier werden alle Unterlagen, Konstruktionszeichnungen und Rechnungen konfisziert. Ein Großteil dieser Dokumente ist für immer verloren oder ihr Verbleib ungeklärt. Ebenso verloren, verschollen oder zerstört sind alle RAK-Experimental-Fahrzeuge und -Flugzeuge.

Anläßlich der außerordentlichen Bedeutung für die gesamte Raketenentwicklung überhaupt entschloß sich die Adam Opel AG, einen Nachbau des legendären Opel Sander-RAK I nach teilweise erhaltenen, authentischen Unterlagen und Angaben von Julius Hatry in Auftrag zu geben. Den Bau dieser Replik übernahm die Augsburger Flugzeugwerft Bitz GmbH, die in diesem Jahr die RAK I wieder auferstehen ließ. Diesen perfekten, mit Originalmaterialien ausgeführten Nachbau nutzt die Adam Opel AG zu Ausstellungszwecken, um die Innovationsfreude und gewachsene, technische Kompetenz des Unternehmens darzustellen. Denn die Erforschung und Entwicklung neuer Antriebstechnologien gehörte und gehört zu den vorrangigen Unternehmenszielen, wie die RAK-Versuche aus den Zwanzigern, die Probeläufe mit Elektrofahrzeugen in den Siebzigern oder die jüngsten Versuche und Prototypen zum Thema Brennstoffzelle belegen.

Roadster-Feeling

August 2000
Offene Sportwagen haben bei Opel Tradition
Roadster-Feeling



Zweisitzer aus verschiedenen Automobilepochen: Speedster, Aero GT und Moonlight Roadster

Rüsselsheim. Mit dem Speedster kehrt Opel in die kleine, aber feine Marktnische der offenen, puristischen und zweisitzigen Sportwagen zurück, die das Unternehmen in seiner gut hundertjährigen Tradition bereits mehrfach bereichert hat. Die Ent-wicklungsgeschichte dieser Fahrzeuggattung verdeutlichen neben dem Speedster zwei Modelle, die zu den faszinierendsten Automobilen der Opel-Modellhistorie gehören: Der "Moonlight-Roadster" demonstriert das geschwungene, leicht ausladende Fahrzeug-styling der dreißiger Jahre, die offene "Aero"-Version des legendären Opel GT wiederum gibt perfekt das ausdrucksstark-dynamische Sportwagendesign der Sechziger und Siebziger wieder.

Der Moonlight-Roadster basiert auf der erfolgreichen 1,8 Liter-Modellfamilie, die in den dreißiger Jahren reißenden Absatz findet. Die formvollendete Roadster-Karosserie fertigt 1933 der in Köln ansässige, renommierte Karosseriebauer Deutsch in Kleinserie. Seinen Spitznamen verdankt der niedrige Zweisitzer einer speziellen Fahrzeuggattung, die in Nordamerika zur Zeit der Prohibition eine ganz besondere Rolle spielte. Alkohol-schmuggler bauten sich für ihre Besorgungsfahrten sprintstarke und extrem niedrige Roadster, die nachts mit Vollgas unter den für Lastwagen konzipierten Zollschranken durchschlüpfen konnten.

Stilistisch ist der elegante Zweisitzer ein typischer Vertreter seiner Zeit: Steil im Fahrtwind stehender Chrom-Kühlergrill, geschwungene Kotflügel, eine gepfeilte Windschutzscheibe, und – als besonderer Clou – das sanft abfallende Heck mit einer zentralen Heckflosse. Die zweifarbige Lackierung mit abgesetzten "Zierstreifen" in Höhe der Gürtellinie ist ebenfalls ein sehr beliebtes Stilmittel der dreißiger Jahre. Das Knallrot der Speichenräder und der Lederausstattung dürfte jedoch sehr extravagant gewesen sein. Exklusivität war dem Käufer eines Moonlight Roadster jedenfalls sicher. Während der zweijährigen Bauzeit entstehen nur 51 Exemplare des 3.895 Reichsmark teuren Modells.

Der zweite Hauptdarsteller in Sachen Roadster-Feeling ist ein typisches Kind der sechziger Jahre. Der Zweisitzer mit Namen Aero GT erscheint 1969 und basiert weitgehend auf dem legendären Opel GT. Die Heckpartie ist neu gestaltet, wobei die hinteren Seitenfenster entfallen. Ein stabiler Targabügel mit modischen, seitlichen Kiemen rahmt den Aero GT ein. Die senkrecht stehende Heckscheibe, elektrisch versenkbar, bildet den Abschluss des Innenraums, seitliche Streben führen die Seitenlinie wie beim Serienbruder bis zum Heck fort. Die Karosserie, im Bodenbereich verstärkt und so gegenüber dem Coupé deutlich schwerer, wird vom italienischen Karosseriespezialisten Fissore gebaut und erstrahlt in sattem Orange. Das gezeigte Modell ist die zweite Aero GT-Fassung und entspringt einer Forderung der amerikanischen Vertriebstochter, die ein weiteres Fahrzeug dringend für Ausstellungszwecke benötigt. Wiederum steht ein italienischer Karosseriebaubetrieb bereit, der renommierte Blechschneider Michelotti baut den Aero Nr.2. Markantestes Unterscheidungsmerkmal der technisch identischen Zwillinge: Der jüngere erstrahlt in dezentem Blaumetallic und wirkt wesentlich eleganter als sein älterer Bruder, der zudem sein Serienschuhwerk gegen voluminöse Breitreifen auf verchromten Tiefbettfelgen eintauschen musste.

Die aktuelle Interpretation des Roadster-Themas heißt Opel Speedster. Der Sportwagen ist das erste Mittelmotor-Auto der Marke und eher für jene Klientel gedacht, die für maximale Fahrfreude gerne auf die komfortsteigernden Insignien heutiger Automobile verzichten. Er sprintet in rund 6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 220 km/h. Seine beeindruckenden Fahrleistungen erreicht er durch das Zusammenspiel von intelligentem Leichtbau und einem hoch effizienten Antrieb. Der neue 2.2 16V-ECOTEC-Aluminiummotor mit vier Zylindern leistet 108 kW/147 PS, begnügt sich nach MVEG mit 8,2 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer und erfüllt die strenge Euro 4-Abgasnorm. Neben den guten Sprintqualitäten überzeugt vor allem die überragende Agilität auf kurvenreichen Straßen. Kein Wunder, stand doch bei der Entwicklung des 870 Kilogramm leichten Roadsters vor allem die Fahrdynamik im Vordergrund. Der tiefe Schwerpunkt, die in Fahrzeugmitte konzentrierte Masse, eine direkt dem Rennsport entliehene Radaufhängung mit doppelten Dreiecksquerlenkern rundum, die Bremsanlage mir vier innenbelüfteten Scheibenbremsen und seine direkte Lenkung ohne Servo-Unterstützung machen ihn zum Kurvengänger par exellence. Die Optik des Zweisitzers interpretiert mit spannungsreichen Flächen, akzentuierten Radhäusern, einer schmalen Taille und steil abfallenden Flanken den "Coke Bottle Shape" der sechziger Jahre in beeindruckender Weise völlig neu. Ebenso beeindruckend wie das Äußere zeigt sich der Innenraum des knapp geschnittenen Zweisitzers. Hier dominiert der Werkstoff Aluminium, der Fahrer und Beifahrer in ihren Sportsitzen umgibt. Seitenschweller, Mittelkonsole, Armaturenbrett und der Fußraum mit verstellbaren Leichtmetall-Stützen aus gebürstetem Aluminium verleihen dem Cockpit die Faszination einer modernen Skulptur. Dieses minimalistische Konzept wurde jedoch nicht zu Lasten der passiven Sicherheit durchgesetzt. Die Passagiere werden von einem formstabilen Aluminiumchassis umgeben, eine der Formel 1 entliehene Crashbox aus einer patentierten, verstärkten Kunststoffstruktur baut im Fall der Fälle gezielt Aufprallenergie ab. Ergänzt wird dieses Rundum-Schutzsystem durch Fahrerairbag und pyrotechnische Gurtstraffer.

Opel präsentiert erfolgreiche Coupé-Historie

30. März 2000
Oldtimer-Ausstellung Techno Classica in Essen (6. – 9. April 2000)
Opel präsentiert erfolgreiche Coupé-Historie



Rüsselsheim/Essen. Die Opel-Aktivitäten auf der diesjährigen Essener Oldtimer-Messe Techno Classica (6. – 9. April) stehen im Zeichen der außergewöhnlichen Coupé-Historie. Ein themengebundener Messestand lädt die Besucher zu einer Zeitreise ein und verdeutlicht die Entwicklungsgeschichte dieser Gattung Automobil vom 5/12 PS Stadtcoupé aus dem Jahre 1912 bis hin zum aktuellen Astra Coupé. Dabei spielt die Darstellung der Nachkriegshistorie eine zentrale Rolle. Diese begann 1961 mit dem Rekord P2 Coupé und wurde in der Folgezeit von verschiedenen Kadett und Commodore Coupé-Versionen, dem Stückzahl-Millionär Manta und neueren Modellen wie dem Calibra und Tigra bestimmt. Äußerst seltene Sonderanfertigungen wie ein Kapitän Coupé oder das Diplomat Luxuscoupé mit einem 230 PS starken V8-Motor ergänzen den faszinierenden Einblick in die Welt der sportlichen-eleganten Fahrzeuge. Natürlich werden auch die Fans des legendären Opel GT auf dem Opel-Messestand 2/201 in Halle 2 fündig. Ebenso beeindruckend wie der Messeauftritt ist die Gesamtbilanz des Opel-Engagements im Marktsegment "Coupé". Bis heute hat das Rüsselsheimer Unternehmen 19 Coupé-Modellfamilien mit insgesamt 75 verschiedenen Varianten auf den Markt gebracht. Zu Beginn des neuen Jahrtausends stieg die Gesamtzahl der Erstzulassungen in 100 Jahren Opel-Automobilgeschichte auf knapp 2,5 Millionen Opel-Coupés.

Die Motorsporthistorie des Unternehmens setzt einen weiteren Schwerpunkt auf dem rund 600 Quadratmeter großen Techno Classica-Messestand. Neben einem 220 PS starken Kadett C Coupé im Rallyetrimm, mit dem Walter Röhrl in der Saison 1976 nicht nur auf der Rallye Monte Carlo für Furore sorgte, demonstriert eine Rennversion des Kadett B die Möglichkeiten des seriennahen Motorsports Anfang der siebziger Jahre. Ein Highlight ganz anderer Art versetzt den Betrachter zurück zu den Anfängen des Motorsports. Anlässlich der äußerst zeit- und arbeitsintensiven Restauration des gewaltigen Opel Renn- und Rekordwagens aus dem Jahre 1914 wird das "nackte" Chassis mit dem riesigen 12,3 Liter-Vierzylindermotor ausgestellt.

Mit rund 800 Ausstellern ist die Techno Classica die europaweit größte Oldtimer-Messe. Jährlich strömen über 100.000 Classic-Fans in die Essener Messehallen, um die circa 2.000 automobilen Kostbarkeiten zu bewundern oder umfassende Informationen zu den Bereichen Restauration, Ersatzteilversorgung und Dienstleistungen rund um das klassische Automobil zu sammeln